Finanzanlagenvermittler, die Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz haben, sollten jetzt unbedingt überprüfen, ob sie dazu verpflichtet sind, sich in das Schweizer Kundenberaterregister eintragen zu lassen. Dies teilt der Maklerpool BCA aus dem hessischen Oberursel in einem Schreiben an seine Vertriebspartner mit. Ein zügiger Check der Registrierungsverpflichtung ist dabei wichtig. Denn wer sich in dem Beratungsregister verzeichnen lassen muss, hat dafür nur noch bis zum 19. Januar 2021 Zeit. Danach können empfindliche Strafen drohen.

Die Pflicht zum Registereintrag haben das Schweizer Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) sowie die Verordnung über die Finanzdienstleistungen (FIDLEV) mit sich gebracht. Die beiden Regelwerke sind bereits am 1. Januar 2020 in Kraft getreten – von Ländern der Europäischen Union allerdings weitgehend unbemerkt geblieben. 

Schweizer Regelwerke bilden Mifid II nach
Mit dem FIDLEG und der FIDLEV bildet die Schweiz sozusagen die Vorgaben der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II nach. "Damit gelten auch neue Regeln für die Erbringung von bestimmten grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen", schreibt die BCA in ihrer Mitteilung an die Vertriebspartner. Ein zentrales Thema ist dabei die Pflicht zum Eintrag in das Schweizer Beraterregister, die unter bestimmten Voraussetzungen greift.

Grundsätzlich gilt: Wer grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen für Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz erbringt – egal, auf welchem Kommunikationsweg und ob einmalig oder vorübergehend – hat sich in das Beraterregister aufnehmen zu lassen. Zu den betroffenen Finanzdienstleistungen gehören unter anderem die Vermögensverwaltung, die Anlageberatung, der Erwerb oder die Veräußerung von Finanzinstrumenten sowie die Annahme und Übermittlung von Aufträgen, die Finanzinstrumente zum Gegenstand haben. Hier gelangen Sie direkt zum Beraterregister.

Wichtig: Anschluss an Schweizer Ombudsstelle 
Der Eintrag in das Register muss auf jeden Fall erfolgen, bevor ein Finanzprofi beginnt, Finanzdienstleistungen für Privatkunden mit Wohnsitz in der Schweiz zu erbringen. Wer bereits Bestandskunden hat, sollte sich umgehend registrieren lassen. Voraussetzungen für die Aufnahme in das Verzeichnis sind unter anderem hinreichende Kenntnisse der Verhaltensregeln nach dem FIDLEG, das für die Tätigkeit notwendige Fachwissen, der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung oder das Bestehen einer gleichwertigen Sicherheit und der Anschluss an die neu geschaffene Schweizer Ombudsstelle für Finanzdienstleister. 

Achtung: Die Frist für die Eintragung bei der Ombudsstelle endet bereits am 23. Dezember 2020! Infos rund um die Schweizer Ombudsstelle finden Sie hier. Weitere Informationen zum FIDLEG bietet die Eidgenössische Finanzaufsicht Finma.

Im Zweifelsfall Rechtsberater einschalten
Die BCA-Experten weisen deutlich darauf hin, dass eine absichtliche oder fahrlässige Nichteintragung im Schweizer Kundenberaterregister mit einer hohen Geld- oder sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Finanzanlagenvermittlern, die von der neuen Pflicht möglicherweise betroffen sind, empfiehlt der Maklerpool, bei Fragen ihre Rechtsberater einzuschalten oder sich direkt und schleunigst mit den Schweizer Aufsichtsbehörden in Verbindung zu setzen. (am)