Finanz- und Versicherungsvermittler sowie Verbraucherzentralen (VZ) werden sicher niemals "gute Freunde". Dafür gibt es einen einfachen Grund: Verbraucherschützer dürfen Bürger in Finanz- und Versicherungsangelegenheiten beraten, ohne allerdings die gleichen Anforderungen hinsichtlich der Sachkunde wie gewerbliche Vermittler erfüllen zu müssen. Wozu das führen kann, unterstreichen diverse Beratungsfehler der Verbraucherschützer. Ein Vermittlerverband möchte sich daher als direkter Mitbewerber zu den Verbraucherzentralen positionieren – vor allem in preislicher Hinsicht, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Die Wirtschaftszeitung listet zu Beginn des Beitrages ein paar Beispiele von Fehlern auf, die die Zentralen zu verantworten haben. So wurde einer Kundin im Rahmen eines Testes von der VZ München empfohlen, ihren Bausparvertrag aufzulösen –  obwohl sie in naher Zukunft ein Haus bauen wollte und das im Analysebogen auch so angegeben hatte! 

Im Jahr 2016 sortierte eine Beratungsdokumentation der VZ Niedersachsen Tarife zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nach dem Nettobeitrag. Dieser ist aber nicht garantiert, sodass die Prämienforderung bis zum Bruttobeitrag ansteigen kann. 2017 empfahl ein Mitarbeiter der VZ Schleswig-Holstein Auszubildenden und Studenten in einem Zeitungsartikel, zunächst auf eine BU zu verzichten. Experten und selbst diverse VZ raten aber immer wieder, solche Policen wegen steigender Prämien so früh wie möglich abzuschließen.

Zentralen haften für ihre Fehler
"Verbraucher bemerken Beratungsfehler oft nicht", teilt Norman Wirth, Anwalt für Versicherungsrecht in Berlin und geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverbandes Finanzdienstleistungen, der Zeitung seine Beobachtungen mit. Verbraucherzentralen seien zwar dringend notwendig, meint Wirth. "Aber gerade weil sie Missstände im Markt anprangern, sollten sie selbst Vorbild sein."

Ein weiterer Grund für die Verärgerung vieler Vermittler ist, dass die VZ nicht für Beratungsfehler haften. Allerdings betont der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gegenüber der Zeitung, dass man mit den Kunden einen Beratungsvertrag schließe. Daher bestehe "für den Kunden ein Schadensersatzanspruch bei Pflichtverletzungen, zu denen auch Beratungsfehler gehören", so der VZBV.

Vermittlerverband möchte VZ das Wasser abgraben
Warum gehen aber viele Verbraucher zu den VZ? Ein Grund ist sicher der Preis: Eine allgemeine Versicherungsberatung bis 30 Minuten kostet in den Verbraucherbüros in NRW zum Beispiel 40 Euro, so das Handelsblatt. Genau hier möchte der Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen (BVSV), in dem Versicherungsvermittler organisiert sind, ansetzen. Der Verband möchte laut dem Bericht deutschlandweit in jeder Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern sogenannte "BVSV Verbraucherbüros" eröffnen. Hier sollen Verbraucher zu gleichen Konditionen wie in den VZ kompetene Hilfe finden. Die ersten 16 Anlaufstellen seien bereits eröffnet worden, weitere 65 haben sich angemeldet.

Jeder BVSV-Vermittler, der an dem Projekt mitwirkt, ist verpflichtet, sechs Monate lang kein Mandat von dem Verbraucher anzunehmen, den er einmal gegen Honorar beraten hat. Im Bedarfsfall muss er ihn an einen anderen Vermittler weiterleiten. Auf diese Weise solle die Unabhängigkeit gewahrt werden, schreibt die Wirtschaftszeitung.

Weiterleitung an befreundete Makler?
Allerdings gibt es dem Handelsblatt zufolge auch Kritiker. Denn der BVSV-Berater könne leicht einen befreundeter Makler empfehlen und sich mit diesem die Provision teilen. BVSV-Vorstand Andreas Schwarz entgegnet gegenüber der Zeitung, dass der Kunde alles schriftlich bekomme und so wisse, was er brauche. Damit sei er auch in der Lage, sich selbst am Markt einen Ansprechpartner zu wählen: "Wenn wir empfehlen, dann auch einen Sachverständigen für das Versicherungswesen."

Restbedenken bleiben: So dürften die BVSV-Vermittler nur zu einzelnen Policen oder zum Versicherungsstatus beraten sowie bei Versicherungsschäden begleiten. Verbraucher, die rechtliche Probleme oder steuerliche Fragen haben, werden zu einem an das Büro angeschlossenen Anwalt oder Steuerberater verwiesen – und hier könnten dann höhere Honorare anfallen als bei den VZ. (jb)