Die Aussichten für Sparbuch-Fans sind alles andere als rosig. Die Realzinsen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, lagen im Oktober bei minus 4,4 Prozent und damit tiefer als je zuvor. Und Besserung ist nicht in Sicht: "Unsere Inflationsprognose und die Daten der Bundesbank zeigen einen eindeutigen Trend nach unten, der sich auch noch weiter fortsetzen wird", sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant Capital Management. Sparer sollten sich darauf einstellen, statt zu hoffen, dass ihre Bankeinlagen bald wieder Rendite abwerfen.

Europas Staaten sind hochverschuldet, die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Zinsen deshalb weiter auf extrem niedrigem Niveau belassen, ist Mlinaric überzeugt. Er rechnet sogar damit, dass die Schuldenberge weiter wachsen: Für den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft und die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie dürften sich viele Länder noch mehr Geld leihen. "Das erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen noch möglichst lange niedrig zu halten", erklärt der Anlageexperte.

Sparwut wird zum Wirtschaftsrisiko
Längere Phasen mit negativen Realzinsen sind historisch betrachtet keine Seltenheit, sondern sogar eher die Regel. In der Vergangenheit haben sie mitunter mehrere Jahre angehalten. "Was allerdings die Sparer stärker denn je belastet, ist die Höhe der Negativzinsen", sagt Mlinaric – und warnt: "Dauert diese Phase länger als ein Jahr an, wird der Verlust an Kaufkraft auf die gesamte Wirtschaft durchschlagen." (fp)