Unabhängige Vermögensverwalter verwenden immer mehr Arbeitszeit darauf, der steigenden Zahl von Regulierungsvorschriften gerecht zu werden. In den vergangenen Jahren nahmen gesetzliche Vorgaben im Schnitt zwischen 23 und 25 Prozent ihres Zeitbudgets ein. Zuletzt pendelte sich der Wert bei einem Viertel der Gesamtarbeitszeit ein, zeigt eine Umfrage des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV). "Immer, wenn die Branche die Einführung neuer Verordnungen gemeistert hat, landen schon die nächsten Vorgaben auf dem Tisch", urteilt Hartwig Webersinke, Leiter des InVV. 

Zu Lasten der Kunden geht der zeitliche Mehraufwand jedoch nicht. Tatsächlich wendeten die befragten Finanzexperten zuletzt rund sieben Prozent mehr Zeit für den direkten Kundenkontakt auf. "Nach Werten von 33 Prozent in den Jahren 2014 und 2015 stabilisiert sich die tägliche Arbeitszeit im Kundenkontakt klar bei über 40 Prozent", sagt Webersinke. Um eine umfangreiche Kundenbetreuung zu garantieren, sind Vermögensberatungen zuletzt personell deutlich gewachsen. Während im Jahr 2014 im Schnitt 4,6 Vermögensexperten je Unternehmen in Kundengespräche gingen, sind es heute sieben. "Das entspricht einem Zuwachs von 52 Prozent und zeigt klar, was bei unabhängigen Vermögensverwaltern die allerhöchste Priorität hat: der Kunde", sagt Webersinke. 

Niemand liest 15 Formulare 
Anlageprofis wie Andreas Grünewald vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) befürchten, dass die wuchernde Bürokratie infolge der zunehmenden Regulierung letztlich den Kunden schadet. Der Verband fordert den Gesetzgeber und die Bafin deshalb auf, die ausufernden gesetzlichen Vorgaben im Sinne der Anleger wieder einzudämmen: "Für den Anlegerschutz sind Zeit für den Kunden und das Portfoliomanagement klar wichtiger als das 15. Formular, das ohnehin kaum jemand liest", erklärt Grünewald. (fp)