Vier Prozent Zinsen: JP Morgan startet Angriff auf deutsche Banken
Die US-Großbank JP Morgan hat nun ihren Direktableger Chase in Deutschland gestartet. Die New Yorker wollen hiesige Kunden mit einem Lockzins ködern. Perspektivisch peilen die Amerikaner auch ein Angebot an Investmentprodukten an.
Die amerikanische Großbank JP Morgan hat ihre Direktbank Chase in Deutschland am Mittwoch (20.5.) an den Start gebracht. Dies geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor. Zum Auftakt ist das Institut mit einem Lockangebot auf Kundenfang. Chase bietet Sparern für die ersten vier Monate Zinsen in Höhe von vier Prozent auf ihr Guthaben. Nach Ablauf dieses Zeitraums gilt ein variabler Basiszinssatz von zwei Prozent.
Die US-Bank hat sich zum Ziel gesetzt, langfristig zu einer führenden digitalen Hausbank für Menschen in Deutschland zu werden. Das Angebot an digitalen Banking-Lösungen soll schrittweise ausgebaut werden. Bis Ende 2028 plant Chase die Einführung eines umfassenden Produktportfolios, das unter anderem Girokonten, Investment- und Kreditprodukte umfasst.
Nicht nur in der zweiten Reihe spielen
"Wir kommen nicht nach Deutschland, um in der zweiten Reihe mitzuspielen", erklärte Daniel Llano Manibardo, der das hiesige Geschäft leitet, vor wenigen Wochen im Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Seinen Worten zufolge will Chase "in Deutschland langfristig zu den Top-Banken im Retailsegment gehören".
Damit hat er sich hohe Ziele gesetzt. Denn der deutsche Markt wird zu einem Großteil von lokalen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken beherrscht. Hinzu kommen private Banken wie etwa die Deutsche Bank sowie andere Anbieter aus dem Ausland wie die ebenfalls erst kürzlich gestartete spanische BBVA oder die französische Crédit Agricole.
Attraktiver Markt
Dass Neueinsteiger versuchen, auf dem hiesigen Markt Fuß zu fassen, ist wiederum kein gänzlich neues Phänomen. "Der deutsche Markt ist nach wie vor attraktiv", meint Thomas Walkner, Bankenexperte der Beratungsgesellschaft Capco. "Als wohlhabendes Land lässt sich hier etwas mehr Ertrag einfahren als in anderen Ländern." Immer wieder hätten neue Akteure versucht, sich im deutschen Retailbanking-Markt zu etablieren. "Einige waren damit auch erfolgreich", so Walkner.
JP Morgan stützt sich bei der Chase-Premiere in Deutschland auf Erfahrungen in einem anderen Markt. Nach einem erfolgreichen Markteintritt in Großbritannien im Jahr 2021, wo Chase mittlerweile mehr als drei Millionen Kunden gewonnen hat, folgt Deutschland als zweiter europäischer Markt. Betrieben wird Chase in Deutschland von der JP Morgan SE, welche eine Vollbanklizenz in Deutschland besitzt.
Einlagensicherungsfonds
Einlagen sind im Rahmen der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Kunde geschützt. Darüber hinaus ist die Bank Mitglied des freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken, der die Einlagen von Privatpersonen bis zu einem Höchstbetrag von drei Millionen Euro sichert. (ert/Bloomberg)




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