Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland ist seit längerer Zeit stark rückläufig. Diese Entwicklung wird sich durch die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Covid-19-Pandemie nach Einschätzung von Bankenpräsident Martin Zielke weiter beschleunigen. "Wir werden nach dieser Krise viel mehr Menschen haben, die offener sind für andere Zugangs- und Vertriebswege. Der seit Jahren anhaltende Trend zur Digitalisierung wird einen großen Schub bekommen", zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) den Commerzbank-Chef in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB).

Zielke, der seit dem 22. April das Präsidentenamt beim BdB bekleidet, ist mit seiner Meinung zur fortschreitenden Digitalisierung der Kunden-Bank-Beziehung und den Folgen für die persönlichen Betreuung nicht allein. "Da immer mehr Kunden das Online-Banking nutzen, verlieren Filialen an Bedeutung. Banken und Sparkassen bündeln verstärkt ihre Beratungsangebote in großen Filialen", zitierte vor einigen Wochen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) Joachim Wuermeling, den für Bankenaufsicht zuständigen Vorstand der Bundesbank.

10.000 Standorte weniger bis 2025
Die Studie "Zukunftsperspektiven 2025 – was Kunden denken und wie Banken handeln sollten", der auf Kreditinstitute spezialisierte Beratungsgesellschaft Investors Marketing kommt zu einem ähnlich pessimistischen Ausblick für die "Bank um die Ecke". Demnach würden der Kostendruck und die niedrigen Zinsen zu einer Reduzierung der Zweigstellen führen, was Corona noch beschleunige. Daher werde es im Jahr 2025 nur noch rund 16.000 Filialen geben – Ende 2019 waren es noch 26.700 Ende (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Hinzu kommt, dass die verbleibenden Anlaufstellen der Geldhäuser ihre Services runterfahren. So hat die Sparkasse Hannover unlängst angekündigt, die Ausgabe von Bargeld am Schalter nur noch in der Hälfte ihrer Standorte anzubieten. Der Grund: Immer mehr Kunden setzen auf bargeldloses Zahlen, was durch Corona verstärkt worden sei. (jb)