Die Volksbank Stuttgart stellt die Gebührenmodelle für ihre Girokonten um. Viele Kunden, die bislang nichts zahlen mussten, sollen in Zukunft doch zur Kasse gebeten werden. Die Gebührenhöhe soll generell davon abhängen, welche anderen Geschäfte Kontoinhaber über die Bank sonst noch abwickeln. Also, wie viel die Bank an ihnen verdient – sehr zum Missfallen von Verbraucherschützern, wie die "Frankfurt Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet.

Die Kontoführungsgebühr wird damit "individualisiert": Für jeden Kunden ist der Preis anders und kann vor allem durch die eigenen Bankgeschäfte beeinflusst werden. Nicht nur die Höhe des monatlichen Gehaltseingangs hat beuspielsweise Auswirkungen auf die Höhe der Kontoentgelte, sondern auch andere Faktoren wie der Umfang des Wertpapierdepots beim Institut, eine eventuelle Baufinanzierung oder sonst irgendeine margenstarke Dienstleistung. Der Zeitung zufolge sei das ein bundesweiter Trend. Nicht nur Genossenschaftsbanken setzen auf dieses Prinzip, auch manche Sparkasse wie jene in Nürnberg sowie Privatbanken.

Hausbankprinzip
Laut der FAZ nennen diverse Institute dieses Konzept "Hausbankprinzip". Das Ziel dahinter sei, Kunden stärker an sich zu binden. Diese sollen nicht nur ein Girokonto nutzen, sondern auch möglichst viele andere Bankprodukte in Anspruch nehmen.

Die Idee ist alles andere als neu, gewinnt aber an Bedeutung. Lange Zeit haben die Banken die Girokonten zu diesem Zwecke stark subventioniert und gratis gehalten, obwohl sie Kosten verursachten. Wegen der Negativzinsen für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) können aber  immer weniger Kreditinstitute diese Strategie durchhalten. Eine Alternative scheint es laut der FAZ also zu sein, die Subventionierung für günstige Girokonten nunmehr an gewisse Bedingungen zu knüpfen.

Verbraucherschützer sind nicht erfreut
Viele Bankkunden in Stuttgart sind offenbar nicht alzu begeistert. Auch Verbraucherschützer sehen diesen neuen Weg kritisch, weil die Transparenz der Gebühren unter dieser Individualisierung und Konditionalisierung leide. Die Volksbank Stuttgart etwa vergibt laut FAZ für die Bereiche Liquidität, Absicherung, Vermögen, Vorsorge, Immobilie und Genossenschaftsmitgliedschaft sowie sonstige Extras jeweils Punkte. Wer einen regelmäßigen Gehaltseingang von wenigstens 1.000 Euro auf dem Konto verzeichnet, bekommt einen Punkt, ein weiterer kommt hinzu, wenn man die Kreditkarte nutzt und so weiter.

Für Verbraucher sei aber nicht klar erkennbar, warum sie wie viele Punkte hätten und deshalb mehr für exakt dieselbe Leistung bezahlen sollten als andere. "Wer seinen Punktestand erhöhen möchte, um ein günstigeres Preismodell zu erhalten, muss sich auf ein Beratungsgespräch einlassen. Hier besteht die Gefahr, dass Kunden Produkte gegen Provision verkauft werden, die zum einen nicht bedarfsgerecht sind und zum anderen so teuer sind, dass eine Preisersparnis beim Girokonto dagegen kaum ins Gewicht fällt", kritisiert Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. (jb)