Die Deutschen gelten als begeisterte Sparer. Dieser Ruf ist nicht unbedingt verdient, zeigt eine neue Umfrage von ING. Darin gaben 31 Prozent der Befragten hierzulande an, überhaupt keine Ersparnisse zu besitzen. Im internationalen Vergleich ist das ein sehr hoher Anteil. In vielen anderen Ländern, etwa Spanien, Italien und den USA, gibt es mehr deutlich Sparer als im vermeintlichen Land der Sparweltmeister. Niedriger als in Deutschland ist der Anteil der Nicht-Sparer nur in Rumänien.

Als Hauptgrund für das Fehlen von Ersparnissen nannten Umfrageteilnehmer weltweit ein zu geringes Einkommen. In Deutschland behaupteten immerhin 63 Prozent der Befragten ohne Ersparnisse, nicht genug Geld zu verdienen, um etwas auf die hohe Kante legen zu können. Damit liegt Deutschland zwar unter dem europäischen Durchschnitt. Ein relativ hoher Anteil der Befragten wollte allerdings überhaupt keine Angaben zu den Gründen für die fehlenden Ersparnisse machen.

Laut ING liegt der Schluss nahe, dass ein Teil dieser Befragten schlicht nicht zugeben wollte, nicht die finanziellen Mittel zum Sparen zu haben – denkbar wären aber auch andere Ursachen, beispielsweise ein allzu sorgloser Umgang mit dem Budget und ein fehlender Überblick zu den monatlichen Ausgaben, wie sie etwa ein Haushaltsbuch liefern könnte.

Sparguthaben allein macht nicht glücklich
Immerhin: Wenn die Deutschen sparen, legen sie vergleichsweise hohe Summen zurück. Bei der Höhe der Ersparnisse liegt die Bundesrepublik zwar nicht an der Spitze, aber doch in der Spitzengruppe. Fast 20 Prozent der deutschen Sparer haben mehr als das Zwölffache des monatlichen Netto-Haushaltseinkommens auf der hohen Kante.

Insgesamt sind die Bundesbürger zufrieden mit ihren Rücklagen. Im Zufriedenheitsvergleich belegt Deutschland den vierten Platz. Italiener und Franzosen haben zwar mehr Geld zurückgelegt, sind aber deutlich unzufriedener. Angesichts der unsicheren Wirtschaftsaussichten für diese Länder wünschen sich Sparer dort vermutlich, im Krisenfall auf noch höhere Rücklagen zurückgreifen zu können, heißt es von ING. (fp)