Warburg Pincus übernimmt Netfonds
Knapp acht Jahre ist es her, dass Martin Steinmeyer und seine Kollegen Netfonds an die Börse brachten. Damit ist es bald vorbei. Der Hamburger Maklerpool gehört fortan der Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus – die ihn mit dem bisherigen Wettbewerber Blau Direkt zusammenschließt. Die Details.
Der angelsächsische Private-Equity-Investor Warburg Pincus kauft Netfonds. Der Hamburger Maklerpool wird Schwestergesellschaft des Lübecker Maklerdienstleisters Blau Direkt. Beide Unternehmen "vereinbaren eine strategische Partnerschaft mit dem Ziel, die Wachstumspotenziale im Bereich der Software- und Infrastrukturlösungen in der Finanz- und Versicherungsdienstleistungsbranche optimal zu nutzen", heißt es in einer Pressemitteilung.
Damit schreitet der Konsolidierungsprozess im deutschen Maklerpool-Markt durch Private-Equity-Gesellschaften weiter voran. Zum Jahreswechsel 2021/22 sicherte sich die Londoner Beteiligungsfirma HG Capital die Mehrheit an der Münchner Fonds Finanz, im Jahr darauf erfolgte der Einstieg beim Deutschen Maklerverbund (DEMV). Im Sommer 2022 übernahm Warburg Pincus dann Blau Direkt, im vergangenen September folgte Maxpool aus Hamburg. (Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Blau Direkt und Netfonds: Die Logik hinter dem Deal")
Netfonds mit gut 180 Millionen Euro bewertet
Warburg Pincus plant, Netfonds von der Börse zu nehmen. Über eine Gesellschaft namens SCUR-Alpha 1996 GmbH, die künftig German Wealth Technology GmbH heißen soll, unterbreitet das Private-Equity-Haus den Aktionären der Netfonds AG ein öffentliches Angebot. Warburg Pincus bietet 78,25 Euro pro Netfonds-Aktie.
Das entspricht einem Aufschlag von 64,4 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Zieht man den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate heran, beträgt die Prämie sogar 78,3 Prozent. Multipliziert man die Zahl der ausstehenden Aktien mit dem offerierten Preis, hat der Deal ein Volumen von 182,3 Millionen Euro.
Gut die Hälfte der Aktien hat der Investor schon sicher
"Vorstand und Aufsichtsrat der Netfonds AG befürworten das Angebot uneingeschränkt und ausdrücklich und sehen darin eine attraktive Möglichkeit für die Aktionäre, den Wert ihrer Beteiligung vor einem 'Delisting' der Netfonds-Aktie zu realisieren", heißt es in den Angebotsunterlagen. Über Vereinbarungen mit Netfonds-Ankeraktionären habe sich Warburg Pincus eine Beteiligung in Höhe von circa 53 Prozent bereits unwiderruflich gesichert. Bei den Ankeraktionären handelt es sich um Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats sowie deren Familien.
Andere Aktionäre können das Angebot bis zum 20. April annehmen. Danach sollen die Aktien von der Börse genommen werden. "Ein gesondertes Delisting-Angebot ist nicht erforderlich", heißt es in den Unterlagen. Aktionäre, die nicht auf das Angebot eingehen, bleiben am Unternehmen beteiligt, müssen sich aber damit abfinden, dass die Wertpapiere dann nicht mehr liquide gehandelt werden. Eine Dividende soll nicht mehr ausgeschüttet werden.
Das Netfonds-Management soll an Bord bleiben
Durch den Zusammenschluss mit der Blau-Direkt-Gruppe unter dem Dach von Warburg Pincus entstehe "mit über 550 Millionen Euro Umsatz und 600 Mitarbeitenden ein führender Anbieter für Software- und Infrastrukturdienstleistungen für die Finanz- und Versicherungsbranche", heißt es in der Pressemitteilung. Netfonds bringe Expertise im Investmentbereich und in der Regulierung sowie seine IT-Plattform Finfire ein, während Blau Direkt bei der Automatisierung im Versicherungssektor führend sei.
"Wir haben mit Netfonds eine Plattform geschaffen, die skalierbar, praxisnah, aber vor allem menschlich ist", lässt sich Netfonds-Vorstandschef Martin Steinmeyer in der Mitteilung zitieren. "In einem Markt, der technologisch getriebene Effizienz verlangt, ist diese Chance einzigartig, und wir bündeln nun unsere Kräfte mit Blau Direkt." Die Partnerschaft sei "ein Versprechen an den Markt, für unsere Partner und Kunden nicht nur Dienstleister, sondern der entscheidende Wettbewerbsvorteil der Zukunft zu sein". Der Mitteilung zufolge wird Netfonds die Marke und den Standort in Hamburg beibehalten. Das Management beteilige sich an der gemeinsamen Holding und bleibe in der Führungsverantwortung. (bm)















