Warum neue Spieler ins Bankgeschäft mit Privatkunden drängen
Die Konkurrenz im deutschen Bankenmarkt ist groß. Institute aus den drei großen Lagern ringen um Kunden. Dennoch nehmen neue Akteure wie BBVA oder JP Morgan das Geschäft mit Privatkunden ins Visier. Welche Chancen die Neulinge sehen – und welche Faktoren ihnen helfen.
Der deutsche Bankenmarkt gilt als dicht besetzt. Öffentlich-rechtliche Institute und Genossenschaftsbanken ringen neben den privaten Geldhäusern um die Gunst der Kunden. Dennoch versuchen neue Akteure wie die US-Großbank JP Morgan oder die spanische BBVA im hiesigen Retailbanking Fuß zu fassen. Auch die ebenfalls spanische Santander will über ihren Direktableger Openbank das Geschäft ausbauen. Was lockt diese Akteure an den gesättigt erscheinenden deutschen Markt?
Neuzugänge sind aber gar nicht so ungewöhnlich, meint Christian Behm, Partner der Unternehmens- und Technologieberatung Magpie Projects. "Im deutschen Retailbanking öffneten sich immer wieder Lücken, in die neue Akteure vorgestoßen sind", sagt Behm im Gespräch mit FONDS professionell. "Waren dies früher Direktbanken und Online-Broker, treten nun die Neobroker auf den Markt."
Einfach mehrere Bankverbindungen führen
Der Branchenkenner verweist darauf, dass die zunehmende Digitalisierung neuen oder ausländischen Akteuren den Markteintritt erleichtert. "Für Kunden gestaltet es sich immer einfacher, mehrere Bankverbindungen zu führen", erläutert Behm. Die Menschen würden zunehmend Kontakte zu mehr als einem Institut pflegen. Zudem habe die Wechselbereitschaft unter deutschen Bankkunden deutlich zugenommen. "Die Digitalisierung erleichtert viele Verfahren, etwa das Onboarding", führt Behm aus.
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Zudem stehen immer mehr Dienstleister bereit, die einzelne Aspekte des Bankgeschäfts herausgreifen und im Hintergrund anderen Akteuren im Finanzsektor als Service anbieten. Behm nennt Spieler wie die Solarisbank, die Baader Bank oder Upvest als Beispiele. "Die Wertschöpfungstiefe der Banken war einst viel ausgeprägter als etwa in der Automobilindustrie, in der Einzelteile durch Europa gefahren werden", erinnert sich Behm.
"Viel schlankere Wertschöpfungsketten"
Das ändert sich nun grundlegend. "Eine von Dienstleistern gestellte Infrastruktur ermöglicht es neuen oder ausländischen Instituten, mit einer viel schlankeren Wertschöpfungskette zu agieren", erläutert der Banken-Experte. "Das heißt, ein Institut kann schon mit relativ geringem Umsatz und wenigen Kunden profitabel arbeiten."
Doch auch in der Beziehung zwischen Kunden und Banken verliert Behm zufolge das Modell einer Hausbank als Universalanbieter an Bedeutung. Kunden greifen sich für einzelne Bankgeschäfte, wie Kreditkarte, die Immobilienfinanzierung oder die Geldanlage, die jeweils besten Angebote heraus – auch abseits ihrer Stammbank. "Im Zuge des Wandels kristallisieren sich Nischenangebote heraus und der Markt zerfasert", formuliert es Behm. "Für jedes Segment findet sich ein spezialisierter Anbieter – und die Bankkunden zeigen sich auch offen dafür, deren Dienste in Anspruch zu nehmen."
"Eine spannende Möglichkeit für internationale Spieler"
Schlussendlich verweist Behm darauf, dass trotz Wirtschaftsflaute Deutschland nach wie vor eine große Volkswirtschaft sei und damit einen großen Markt darstelle. "Insofern stellt auch der hiesige Retailmarkt eine spannende Möglichkeit für internationale Spieler dar, die sich weiterentwickeln wollen", erläutert der Banken-Kenner. "Der deutsche Markt hat ein gewisses Volumen. Wenn ein neuer Akteur diesen mit etwas Schwung angeht, dann lässt sich das Geschäft relativ schnell skalieren."
Sicherlich sei die Konkurrenz groß, räumt der Strategieberater ein. "Doch wenn man sich im deutschen Markt durchsetzt, kann das eine Blaupause für weitere Märkte bilden." So sei etwa für JP Morgan Deutschland ein Pilotmarkt für Kontinentaleuropa. Mehrere der internationalen Akteure hätten zudem bereits deutlich signalisiert, dass sie einen Anspruch als Universalbank hegen. "Sie werden also nicht nur mit einem Tagesgeldkonto unterwegs sein, sondern auch Angebote wie Wertpapiergeschäft oder Wealth Management bieten", resümiert Behm. (ert)














