Die Chefs führender Maklerpools reagieren überwiegend skeptisch auf das Angebot ihres Wettbewerbers Jung, DMS & Cie. (JDC), Vermittlern den Poolwechsel mit einer Sonderzahlung von bis zu 5.000 Euro zu versüßen. Das zeigt eine kurze Umfrage von FONDS professionell ONLINE unter den Führungskräften fünf großer Maklerpools (siehe die Stellungnahmen in der Bilderstrecke oben).

JDC hatte kürzlich verkündet, wechselwilligen Finanzberatern alle mit einem Poolwechsel verbundenen Formalitäten abnehmen zu wollen. Obendrauf kommt eine Prämie, die von der Zahl der übertragenen Versicherungsverträge und dem Volumen des verprovisionierten Fondsbestandes abhängt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dass die Maklerpools um Vermittler konkurrieren, ist selbstverständlich. Das öffentliche Werben mit einem Wechselbonus bringt allerdings eine neue Qualität in den Kampf um Berater.

"Wir haben Sorge, was die Kollegen sich ins Haus holen"
Oliver Pradetto, Geschäftsführer von Blau Direkt aus Lübeck, lehnt derartige Aktionen für seinen Maklerpool kategorisch ab: Wechselprämien dieser Art würden gegen Paragraf 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen, so seine Überzeugung. Das Oberlandesgericht Stuttgart habe einen vergleichbaren Fall bereits ausgeurteilt. "Blau Direkt hat einen Prozess zur Prüfung juristischer Mindestvoraussetzungen für Marketing-Kampagnen", sagt er. "Dem Wettbewerb die Flanke für Abmahnungen, Auskunftsrecht und Schadensersatz zu öffnen ist jedenfalls nichts, wonach uns der Sinn steht."


Weitere Stellungnahmen der Chefs von fünf großen Maklerpools finden Sie in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken!


Pradetto betont, dass sich die großen Pools eigentlich gut untereinander verstünden. Er suche nach Kooperation statt nach Konfrontation. "Wir haben eher Sorge, was die Kollegen sich ins Haus holen", sagt er. Das Wechselangebot würde eine "eher zweifelhafte Klientel" anlocken, außerdem werde sich der Vorstand wohl bald vor den Anteilseigner rechtfertigen müssen. "Das verbaut uns erst mal die Zusammenarbeit, weil es JDC für uns als potenziellen Kooperationspartner weniger berechenbar macht." Vor einem Jahr hatten Blau direkt und JDC eine mögliche Zusammenarbeit ausgelotet, die Pläne dann aber auf Eis gelegt. Stattdessen ging das Lübecker Unternehmen Kooperationen mit Pools wie Wifo und Finanzvertrieben wie Inpunkto ein.

JDC-Group-Vorstand Stefan Bachmann räumt ein, dass die 5.000 Euro "Teil der Aufmerksamkeitsstrategie" seien. Ein Poolwechsel bleibe "Vertrauenssache" und setze Verlässlichkeit voraus. Seinem Unternehmen sei es in den vergangenen Jahren gelungen, die verschiedensten Kundengruppen auch ohne Bonus von seiner Dienstleistung zu überzeugen. (bm)