Der 21. Juli 2022 wird in die Finanz- und Wirtschaftsgeschichte eingehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angekündigt, ihre Null- und Negativzinspolitik aufzugeben und die Zinsen wieder anzuheben. Das betrifft auch den für Banken entscheidenden Einlagenzins, der von minus 0,50 Prozent auf null Prozent steigt. Dies bedeutet auch das Aus für die seit 2016 von etlichen Banken verlangten Negativzinsen auf Konten, mit denen die Institute ihre Gebühren für das Parken von Geld bei der EZB an Privatkunden weiterleiteten. Bei den meisten Banken und Sparkassen wird die Verwahrentgelt genannte Gebühr auf Giro- und Tagesgeldkonten unmittelbar oder in einigen Tagen wegfallen. Das berichtet das "Handelsblatt".

So hat die Deutsche Bank unmittelbar nach der Pressekonferenz der EZB angekündigt, von Minuszinsen im Privatkundengeschäft abzusehen. Die Deutsche Bank und die Postbank würden das Verwahrentgelt "im Laufe des Augusts abschaffen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank auf Anfrage der Zeitung. Auch die Commerzbank, die zweitgrößte Bank Deutschlands, reagierte: Bereits rückwirkend zum 1. Juli streicht sie Entgelte für Kundeneinlagen von Verbrauchern. Bei der Hypovereinsbank entfällt per 1. August das Verwahrentgelt.

Haspa und Apobank streichen ebenfalls Verwahrentgelte
Viele Geldhäuser haben die Verwahrgebühr für private Kunden explizit an den EZB-Einlagenzins gekoppelt und müssen daher ebenso reagieren. Die Hamburger Sparkasse, die bundesweit größte Sparkasse, passt die Konditionen automatisch an, so das "Handelsblatt": Ab Freitag wird Kunden mit hohen Einlagen kein Minuszins mehr berechnet. Auch die Apotheker- und Ärztebank (Apobank), die größte Genossenschaftsbank in Deutschland, gibt die Zinsanhebung per Freitag direkt weiter. 

Schon vor den Zinsschritten der EZB hatten 49 Geldhäuser ihre Verwahrentgelte ganz oder teilweise abgeschafft. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox unter rund 1.300 Banken und Sparkassen. Demnach haben seit Ende April 34 Banken ihre Negativzinsen komplett abgeschafft.

ING zahlt wieder Zinsen
Die ING Deutschland geht noch einen Schritt weiter: Sie streicht nach eigenen Angaben zum 1. August nicht nur gänzlich alle Verwahrentgelte, sondern zahlt Bestandskunden ab kommenden Monat wieder bis zu 1,50 Prozent Zinsen für ihr Erspartes. Dazu bietet die Bank ab 1. August den Sparbrief mit Laufzeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren an. Die Anlage ist ab einem Betrag von 2.500 Euro bis zu einem Maximalbetrag von 500.000 Euro möglich.

"Der heutige EZB-Entscheid zeigt, wohin die Zinsreise geht. Deshalb gehen wir gerne in Vorleistung und schaffen durch positive Sparzinsen Entlastung für unsere Kundinnen und Kunden. Auch wenn wir den 'Inflationsschmerz' dadurch nur etwas lindern können, ist es ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING in Deutschland. (jb)