Die Nachricht datiert aus dem Januar, und sie ging fast unter angesichts der zahlreichen anderen Meldungen rund um die neue IT-Plattform "Finfire" und die Börsennotiz von Netfonds: Über die Tochtergesellschaft NSI Netfonds Structured Investments bietet der Hamburger Finanzdienstleister mittlerweile auch Immobilieninvestments an. Karsten Dümmler, Vorstandschef von Netfonds und Geschäftsführer der NSI, stellt sich den Fragen von FONDS professionell ONLINE.


Herr Dümmler, Netfonds hat NSI Anfang des Jahres zur Spezialistin für Immobiliengeschäfte umgebaut. Was war der Hintergrund dieser Entscheidung?

Karsten Dümmler: Wir hatten in den vergangenen Jahren immer mal wieder Immobiliendeals abgewickelt, beispielsweise wenn sich aus unserem Netzwerk die Möglichkeit ergab, 50 Wohnungen im Paket zu übernehmen. Die konnten unsere Partner dann als Privatplatzierung an einen kleinen Anlegerkreis vermarkten. Mittlerweile ist jedoch die Schwelle zur Prospektpflicht schnell überschritten, was solche Geschäfte zeitaufwendig, teuer und letztlich auch für die Anleger unrentabel macht. Wir standen vor der Entscheidung, ob wir dieses Geschäft aufgeben oder es professionell aufziehen – wir haben uns für letzteres entschieden.

Die NSI kauft nach festgelegten Kriterien Wohnimmobilien auf. Das Geld dafür stammt aus einer Anleihe, die 4,5 Prozent Zinsen abwirft. Die Haftungsdachpartner von Netfonds können ihren Kunden dieses Papier empfehlen. Was passiert mit diesem Geld?

Dümmler: Idealtypisch kaufen wir Wohnungen im Paket für beispielsweise 1.000 Euro je Quadratmeter auf, entwickeln die Immobilien weiter und bieten sie später einzeln für 1.200 bis 1.300 Euro zum Verkauf an. Als Käufer kommen Kunden von Netfonds-Maklern in Frage, aber auch frühere Mieter.

Bei solchen "pooleigenen" Angeboten rümpfen einige Marktteilnehmer die Nase. Was entgegnen Sie?

Dümmler: Fakt ist, dass das Interesse an Immobilien bei den Kunden unserer Partner ungebrochen hoch ist. Diese Nachfrage möchten wir bedienen. Früher haben wir mitunter mit Bauträgern kooperiert, die unseren Vermittlern aber keine Garantie geben konnten, dass ein interessierter Endkunde eine Wohnung tatsächlich auch bekommt. Bei den Objekten aus dem eigenen Bestand können wir die Wohnungen für unsere Partner reservieren. Das ist unserer Meinung nach ein attraktives Angebot. Ob unsere Vertriebspartner es nutzen, bleibt natürlich ihnen überlassen. Das gilt genauso für die NSI-Anleihe, die ohnehin nur für unsere Haftungsdachpartner in Frage kommt. Dass ein solches Papier nur eine Beimischung im Kundenportfolio sein sollte, versteht sich von selbst.

Die aufgekauften Immobilien finden sich letztlich in der Konzernbilanz wieder, genau wie die Verbindlichkeiten aus der Anleihe. Wie groß soll dieses Geschäft werden?

Dümmler: Das ist noch offen. Klar ist aber, dass die Immobilien für unsere Firmengruppe ein Nischenthema bleiben werden. Wir werden die Netfonds AG als Ganzes nicht einem Immobilienrisiko aussetzen.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)


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