Unerwünschte Telefonanrufe bleiben ein Ärgernis. Zwar gab es 2019 weniger sogenannte "Cold Calls" als 2018, die insgesamt 57.648 schriftlichen Beschwerden, die Bürger eingereicht haben, sind aber die zweithöchste jemals gemessene Zahl an Kundenklagen. Nur 2018 waren es mit 62.000 noch mehr gewesen. Gleichzeitig stieg die Höhe der verhängten Bußgelder. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Informationen der Bundesnetzagentur. 

Basis der Geldstrafen ist, dass es in Deutschland strenge Verhaltenregeln für die Werbung am Telefon gibt. Niemand darf zu Werbezwecken angerufen werden, ohne dem Procedere vorher ausdrücklich zugestimmt zu haben – das sogenannte "Double-Opt-In"-Verfahren, das vor allem im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb von 2004 geregelt wurde. Seitdem gab es zwei Änderungen, die die Regeln noch einmal verschärften, zuletzt 2013. Die Regierung kündigte zudem im Frühjahr 2019 neue Vorschriften an.

Das spüren auch Vermittler von Finanz- und Versicherungsprodukten: Einfach die Telefonlisten nehmen und fremde Personen anrufen geht nicht mehr – selbst "Service-Calls" können problematisch sein. Sie müssen etwa den Umweg über entsprechend vorbereitete Kontakte – auch "Leads" genannt – gehen. 

Mehr Geldbußen
Unternehmen, die sich an diese Regeln nicht halten, müssen sich auf hohe Geldbußen einstellen. In Summe verhängte die Bundesnetzagentur im Jahr 2019 Bußgelder in Höhe von 1,3 Millionen Euro, nach 1,1 Millionen Euro im Jahr 2018. Details über Bußen für Finanz- oder Versicherungsvermittler sind nicht bekannt.

Eine sehr hohe Strafe verhängte die Bonner Behörde der Wirtschaftszeitung zufolge aber gegen Sky Deutschland. Der Pay-TV-Anbieter musste 250.000 Euro zahlen, da er zuvor mehrmals von der Behörde abgestraft worden. Trotzdem hatte sie weiter ohne vorherige Einwilligung angerufen. Sky hat aber laut der Meldung gegen das Bußgeld Berufung eingelegt.

Innogy muss am meisten zahlen
Den höchsten Betrag, 275.000 Euro, musste aber der Energie-Anbieter Innogy blechen. Das Unternehmen soll dem Handelsblatt zufolge ein undurchsichtiges Vertriebssystem aus verschiedenen Call-Centern beauftragt haben, um "in hartnäckiger und aggressiver Weise" Stromverträge zu verkaufen. Das Unternehmen selbst verwies darauf, dass die beanstandeten Fälle von 2015 bis Anfang 2018 stammten und man das Vertriebssystem längst umgestellt habe. Daher prüfe Innogy, ob man Einspruch gegen das Bußgeld einlegen werde, sagte ein Sprecher auf Anfrage. (jb)