Wildschütz: "Wir möchten hin zu einem Convenience-Investment"
Der frühere Flossbach-von-Storch-Rentenmanager Wilhelm Wildschütz hat sich mit einem Team selbstständig gemacht. Die Boutique hat nun zu ihrem Fonds auf kurzlaufende Anleihen eine zusätzliche ETF-Anteilsklasse aufgelegt.
Im Sommer hat Wilhelm Wildschütz Lampe Asset Management verlassen und mit einem Team die Investmentboutique Active Core Asset Management gegründet. Im Zuge eines Management-Buy-outs hat Wildschütz den von ihm gelenkten geldmarktnahen Rentenfonds Enova Active Core EUR Ultra Short Term mit zu seinem neuen Haus mitgenommen. Nun hat das Haus eine ETF-Anteilsklasse auf den Fonds aufgelegt (ISIN: IE000ST59DS4). Die Hauck & Aufhäuser Fund Services steht als White-Label-Anbieter im Hintergrund. Der frühere Anleihenchef von Flossbach von Storch sowie Vertriebschefin Petra Oetelshoven erläutern im Interview die Details.
Frau Oetelshoven, Herr Wildschütz, warum haben Sie sich entschlossen, zu dem bestehenden Fonds noch eine ETF-Anteilsklasse aufzulegen?
Petra Oetelshoven: Ein ETF ist für jeden zugänglich. Dabei handelt es sich um ein sehr effizientes und kostengünstiges Format, das über den Börsenhandel mit täglicher Liquidität zur Verfügung steht. Wenn Kunden von unserem Produkt überzeugt sind, dann können sie es nunmehr direkt in ihr Depot erwerben. Es sind keine zusätzlichen Vertriebskanäle notwendig. Dieses Angebot ist damit kostengünstiger und liquider. Es richtet sich an Anleger, die ein nahezu risikofreies Asset wünschen, mit dem sich gut schlafen lässt und folgt unserem Motto 'einfach, sicher, transparent'.
Gehen Sie also keine Partnerschaften mit klassischen Vertrieben ein?
Oetelshoven: Einer der Vorteile eines ETFs liegt in der freien Zugänglichkeit. Diese besteht unabhängig von vorab definierten Vertriebspartnern. Somit eröffnet sich eine hohe Transparenz über die jeweiligen Transaktionskosten. Der Weg über die gängigen Vertriebskanäle steht uns nach wie vor offen und wir werden ihn auch einschlagen. Aber bei einem ETF liegt es in der Verantwortung der Vertriebspartner, ob sie Aufschläge oder Provisionen nehmen wollen – und nicht bei uns.
Funktioniert denn ein Fondsvertrieb ohne die entsprechende Maschinerie im Hintergrund?
Wilhelm Wildschütz: Für den ETF-Mantel dreht sich unsere Vertriebsstrategie von einem Push- zu einem Pull-Vertrieb. Für kleinere Boutiquen wie uns bedeutet das, dass wir zunächst auf die Direktansprache von professionellen Kunden setzen, etwa institutionelle Anleger, Asset Manager oder Vermögensverwalter. Im Laufe der Zeit werden wir einen breiteren Vertriebsansatz entwickeln. Dann werden wir uns auch den großen Vertriebsstrukturen oder digitalen Plattformen zuwenden. Diese Schritte vollziehen wir aber organisch mit dem Wachstum des Volumens unseres Produkts.
Welches Volumen peilen Sie an?
Wildschütz: Als Geldmarktprodukt brauchen wir ein kritisches Volumen, damit die Liquidität in allen Marktphasen sichergestellt ist. Diese Schwelle liegt bei unserem Produkt bei rund 500 Millionen Euro. Das ETF-Format alleine stellt sicherlich keine Hülle dar, die uns in neue Sphären katapultiert. Aber sie öffnet uns Türen für neue Investoren. Denn bei klassischen Fonds stehen Hürden im Weg, angefangen bei den Ausgabeaufschlägen bis hin zum fehlenden Zugang, weil die Hausbank des Kunden den entsprechenden Fonds nicht anbietet. Davon möchten wir weg und hin zu einem Convenience-Investment, also einem bequemen Anlage-Erlebnis – ganz ähnlich wie die Convenience-Küche.
Das klingt nach Fast Food.
Wildschütz: Die Convenience-Küche hat sich in allen Qualitätsstufen und Preisklassen etabliert. Ähnlich wie die Convenience-Gastronomie wollen auch wir ein frei zugängliches, transparentes sowie kosteneffizientes Investment bieten.
Haben Sie im Zuge der Auflage der ETF-Anteilsklasse die Strategie ändern müssen?
Wildschütz: Nein, es gab keinerlei Änderungen. Wir investieren nur in kurzlaufende Anleihen, für die auch im Marktstressfall ein funktionierender Repo-Markt gewährleistet ist. Dabei handelt es sich um hochqualitative und hochliquide Wertpapiere, die im Stress-Szenario von den Zentralbanken akzeptiert werden. Und die höchste Aufgabe einer Notenbank ist, im Stressfall die Funktionalität des Marktes aufrechtzuerhalten. Mit diesem Ansatz unterscheiden wir uns von anderen Geldmarktfonds, die auch in andere Wertpapiere oder gar Derivate investieren. Zudem beschränken wir uns auf Titel, die auf Euro lauten und von europäischen Emittenten ausgegeben werden. Wir achten auf höchste Qualität. Unser Portfolio bietet auch in Krisen höchste Liquidität. Zugleich erzielen wir aber eine Mehrrendite.
Wie kann dies in dem doch eigentlich recht effizienten Geldmarkt gelingen?
Wildschütz: Wir verfolgen eine aktive Strategie und suchen nach Opportunitäten. Der Großteil der Geldmarkt-Investoren verfolgt mittlerweile eine indexgebundene Strategie. Daher zählen wir im Geldmarkt zu den wenigen verbliebenen aktiven Investoren.
Welche Gelegenheiten eröffnen das Potenzial auf einen Renditeaufschlag?
Wildschütz: Ein Beispiel sind Auktionen von Anleihen, bei denen sich Chancen eröffnen. Wir halten es da wie die Eichhörnchen. Wir sammeln viele kleine Nüsse ein und türmen so im Laufe der Zeit einen ansehnlichen Vorrat auf. Wobei wir immer auf die Qualität achten – die sich dynamisch entwickeln kann.
Wie meinen Sie das?
Wildschütz: Alles, was an Qualität verliert, verlässt auch unser Portfolio. Bei Wertpapieren aus Frankreich etwa spiegelt sich die Volatilität in der dortigen politischen Entwicklung nicht in attraktiven Geldmarktsätzen wider. Deswegen haben wir uns von Frankreich verabschiedet.
Wenn Sie so konsequent sind, bleibt da irgendwann noch genug Auswahl?
Wildschütz: Das investierbare Universum nach unseren Anlagerichtlinien beziffert sich nach wie vor auf rund 700 Milliarden Euro – auch ohne Frankreich. Da bin ich sehr entspannt und glaube nicht, dass wir den Fonds alsbald schließen müssten.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)













