Zertifikate sind billiger geworden. Die durchschnittlichen Gesamtkosten der strukturierten Anlageprodukte lagen, allerdings aufs zweite Halbjahr 2020 bezogen, bei 0,81 Prozent pro Laufzeitjahr – ein Fünftel weniger als 2017. Vertriebsprovisionen machen rund ein Drittel der Kosten aus. Das ergab eine Studie des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Derivate Verbandes (DDV), die der Verband in Auftrag gab, weil die EU-Verordnung über verpackte Anlageprodukte (Packaged Retail Investment und Insurance Products, kurz: Priips) auf dem Prüfstand stehe und die Kosten im Fokus der Diskussion seien.

"Die Kostentransparenz hat sich in den vergangenen zehn Jahren immer weiter verbessert. Heute haben Anleger ein Höchstmaß an Transparenz. Der intensive Wettbewerb auf dem deutschen Markt sorgt dabei für hohe Effizienz und relativ niedrige Preise", sagte Professor Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für empirische Kapitalmarktforschung an der WHU – Otto Beisheim School of Management, bei der Vorstellung der Studie. 

Aufteilung der Kosten
Im Detail setzen sich die durchschnittlichen Gesamtkosten von strukturierten Anlageprodukten aus der erwarteten Emittentenmarge (0,47 %), die auch die geschätzten Absicherungskosten (0,26 %) einschließt, der Vertriebsprovision (0,28 %) und dem Ausgabeaufschlag (0,06 %) zusammen. Strukturierte Anleihen weisen die niedrigste Kostenquote von 0,22 Prozent auf, sie machten rund ein Viertel des untersuchten Volumens aus. 

Zur Erklärung: Die "erwartete Emittentenmarge" geht an die Emittenten als Vergütung für die Strukturierung, das Market Making sowie die Abwicklung und enthält auch den Gewinn des Emittenten. Die Absicherungskosten stellen die Transaktionskosten für den Einkauf der Produktkomponenten dar. Mit den Vertriebsprovisionen und Ausgabeaufschlägen werden die Leistungen der Vertriebseinheiten und die Anlageberatung vergütet. (jb)


Zur Studie
Basis der Analyse waren 16.495 strukturierte Anlageprodukte, die von zwölf Mitgliedern des DDV im zweiten Halbjahr 2020 emittiert wurden. Sie wiesen in dem Monat oder im Folgemonat ein investiertes Volumen von 6,28 Milliarden Euro auf. Im Durchschnitt liefen die Produkte 5,15 Jahre.