Das Fintech Deposit Solutions betreibt mit den Marken Zinspilot und Savedo gleich zwei Zinsportale. Tim Sievers, Gründer und Vorstandschef, erläutert im Interview mit FONDS professionell ONLINE, welche Vorteile Banken haben, wenn sie Kunden an seine Plattformen verweisen – oder sie nutzen, um selbst frisches Geld einzuwerben.


Herr Sievers, welche inländischen Kreditinstitute bieten ihren Kunden über Ihre Plattform Zinsanlagen anderer Banken an?

Tim Sievers: In Deutschland nutzen Institute wie die Deutsche Bank, die Haspa sowie die Sparkasse Köln-Bonn, über 100 Volks- und Raiffeisenbanken, die Norisbank oder auch vermögensverwaltende Privatbanken wie Merck Finck unsere Plattform.

Was motiviert die Banken, Kunden an Ihr Unternehmen zu verweisen?

Sievers: Immer mehr Banken möchten ihren Kunden neben dem eigenen Sortiment auch attraktiv verzinste Spareinlagenprodukte von Drittbanken anbieten – ohne jedoch gleich die ganze Kundenbeziehung an eine Zinsplattform oder eine Drittbank zu verlieren. Wir ermöglichen mit unserer Plattform genau das: Wir bieten Banken eine technische Infrastruktur, mit der sie selbst zum Einlagenvermittler werden können. So können sie ihren Kunden attraktiv verzinste Drittprodukte anbieten und dabei die Kundenbeziehung vollständig in der Hand behalten. Wir hingegen bleiben als Abwicklungspartner im Hintergrund. Für Institute mit Einlagenüberschüssen kann es zudem auch aus Gründen der Bilanzoptimierung attraktiv sein, überschüssige Liquidität an andere Banken zu vermitteln.

Immer mehr Banken vermarkten eigene Festgeldangebote über Zinsportale. Welche Gründe gibt es aus Ihrer Sicht für diese Entwicklung?

Sievers: Es ist für jede Bank sinnvoll, ihren Finanzierungsmix zu diversifizieren. Mit unserer Plattform erweitern unsere Partner die Reichweite für ihre Spareinlagenprodukte erheblich und erreichen zusätzliche Kundengruppen, ohne dafür selbst Aufwand betreiben zu müssen. Die Kosten für den Service sind rein variabel und erfolgsabhängig. Deshalb ist unsere Plattform im Grunde für jede Bank eine sinnvolle Erweiterung des Finanzierungsmix'.

Bei welchen deutschen Instituten können Ihre Kunden Zinsanlagen tätigen?

Sievers: Zu den inländischen Banken, die über unsere Plattform Geld einsammeln, gehören zum Beispiel Creditplus, Münchener Hyp und die Deutsche Pfandbriefbank.

Sind deutsche Banken im Hinblick auf die Höhe der angebotenen Zinsen überhaupt "konkurrenzfähig"?

Sievers: Die Tages- und Festgelder, die unsere deutschen Partner über unsere Plattform anbieten, sind durchaus konkurrenzfähig und werden von Kunden sehr gut angenommen. Die Höhe des Zinssatzes ist dabei nur eines von vielen Kriterien, nach denen Sparer ein Produkt auswählen. Auch Faktoren wie die Bekanntheit oder Größe des Anbieters, die Einlagensicherung, das Herkunftsland oder die angebotenen Laufzeiten spielen für viele Menschen eine große Rolle bei der Entscheidung.

Welche weiteren Kooperationsformen mit Banken können Sie sich für die Zukunft vorstellen?

Sievers: Wir bieten Banken schon heute viele verschiedene Optionen, um Einlagen zu vermitteln oder einzusammeln – sei es online, mobil oder über die Kundenberater – und arbeiten auch an neuen Produktideen sowohl für Einlagennehmer als auch für Einlagenvermittler. Außerdem möchten wir unsere Plattform in weiteren Ländern an den Markt bringen, zum Beispiel in den USA, Großbritannien oder Spanien.

Plant Deposit Solutions, das eigene Angebot zu erweitern und beispielsweise alternative Anlageformen zu vermitteln?

Sievers: Alternative Anlageformen stehen für uns nicht im Fokus. Wir bauen mit unserer Plattform eine neue Infrastruktur für den weltweiten Einlagenmarkt – dieser Aufgabe gilt unser ganzer Fokus. Unser Ziel ist es, "Open Banking" als Industriestandard im Einlagengeschäft zu etablieren.

Vielen Dank für das Gespräch. (mh)