Die politischen Machtverhältnisse in Deutschland sind in Bewegung geraten, konstatiert die UBS. Bei der Schweizer Großbank rechnet man damit, dass nach der Bundestagswahl im September erstmals eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene regieren könnte. Die Unterstützung für die Grünen sei so groß wie selten zuvor, die CDU/CSU dürfte aber die größte Partei im Bundestag bleiben, prophezeien Strategen der Bank.

Für die Finanzmärkte wäre die wichtigste Folge einer schwarz-grünen Regierung mit einem Kanzler Armin Laschet, dass Regulierung, Haushalt und Politik stärker darauf ausgerichtet würden, Deutschland "smarter", grüner und digitaler zu machen, glauben die UBS-Experten. Die Fiskalpolitik dürfte noch expansiver werden als bisher und staatliche Investitionen stärker in den Fokus rücken. Für Anleger ist das ein vielversprechendes Szenario: Unter Schwarz-Grün könnte die laufende Wirtschaftserholung wohl noch breiter, kräftiger und langanhaltender ausfallen als erwartet, so die Erwartung der Banker.

Green Bonds könnten gewinnen
Christdemokraten und Grüne gemeinsam würden wahrscheinlich größere Anstrengungen bei der Digitalisierung und der Dekarbonisierung der Wirtschaft unternehmen, mutmaßen die UBS-Strategen: "Ziele im Bereich Umweltschutz, soziale Verantwortung und Unternehmensführung würden stärker im Mittelpunkt stehen." Für Anleger heißt das: Die Entwickler von Anlagen für erneuerbare Energien, Elektroautohersteller, Halbleiterproduzenten, grüne Energiekonzerne und Industrieunternehmen dürften am stärksten profitieren.

Auf der Anleiheseite hätte eine noch lockerere Fiskalpolitik wohl kaum Auswirkungen auf die Renditen, so die UBS-Experten. Das Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt voraussichtlich weiterhin für ein eher knappes Angebot an Bundesanleihen. Green Bonds könnten allerdings beliebter werden, falls Deutschland weitere dieser Anleihen begibt, um die Bekämpfung des Klimawandels zu finanzieren. (fp)