Derivate von Lehman Brothers, die die pleitegegangene Investmentbank gegen Zahlungsausfälle bei Hypotheken bonitätsschwacher Kunden hätte schützen sollten, könnten mehr als ein Jahrzehnt später zu einer großvolumigen Auszahlung führen. Am 25. Oktober beginnt ein diesbezüglicher Prozess der Lehman Brothers International Europe (LBIE) gegen die Bondversicherungsfirma Assured Guaranty.

Die Londoner Lehman-Tochter behauptet, eine Reihe von Kreditausfall-Swaps, die sie erworben hatte, seien 2009 falsch abgerechnet worden. Assured Guaranty habe dabei nicht Marktpreise zugrunde gelegt, sondern reine "Finanzalchemie", wie LBIE in den Gerichtsakten dargelegt. Assured schulde ihr mehr als 500 Millionen US-Dollar. Assured hingegen steht auf dem Standpunkt, die Verträge bei der Abwicklung buchstabengetreu befolgt zu haben. Vielmehr sei es Lehman, die zahlen müsse. Die Bank schulde dem Bondversicherer nach ihrem Zusammenbruch 20,7 Millionen Dollar Stornogebühren.

Dass es 13 Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers noch eine solche Kontroverse gibt, illustriert die Komplexität des Marktes für Kreditausfall-Swaps. Die 28 fraglichen Kontrakte, die an Bündel von US-amerikanischen und britischen Wohnhypotheken sowie an einige Unternehmenskredite gebunden waren, hatten einen Nennwert von 5,6 Milliarden Dollar. Bestimmte Eigenheiten dieser speziellen Swaps erschweren die Ermittlung des Abrechnungspreises.