Angebot. Der Blindpool-Fonds gewährt seiner 100-prozentigen Tochtergesellschaft ein Darlehen, die es in andere geschlossene Fonds zahlreicher Asset-Klassen und in Unternehmen investieren möchte. Vorgesehen ist ein Fondsvolumen inklusive Agio in Höhe von rund 10,5 Millionen Euro. Die Mindestzeichnungssumme beträgt lediglich 5.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio. Prospektiert, aber laut Initiator nicht sicher realisierbar, ist die Möglichkeit der Ratenzahlung, mit Mindest-Monatsraten unter 100 Euro. Ratenzahler müssten wenigstens 10.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio zeichnen. Extrem niedrige Ratenzahlungen und die niedrige Mindestbeteiligung bergen die Gefahr, dass Personen der falschen Risikoklasse dem Fonds beitreten. Anleger können zwischen herkömmlicher und thesaurierender Variante wählen. Ins Handelsregister ist ein Prozent des Zeichnungsbetrags als Haftsumme einzutragen. Anleger erzielen Einkünfte aus Kapitalvermögen, unter Umständen auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Zeichner der thesaurierenden Variante können erstmals zum 31. Dezember 2019 ihre Beteiligung kündigen, wobei die Abfindungen jährlich kumuliert höchstens zehn Prozent des Fondsvolumens erreichen dürfen, darüber hinausgehende Beträge werden in den Folgejahren nachgeholt. Für Zeichner der jährlichen Auszahlungsvariante ist die früheste Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2022. Prospektprüfungsbericht und steuerliches Gutachten liegen laut DEF vor.

Historie. Die DEF Management GmbH wurde im Juli 2012 gegründet und emittiert hiermit ihren ersten geschlossenen Fonds. Ihr einziger Gesellschafter ist die ebenfalls im Juli 2012 gegründete Defoma GmbH. Beide verfügen über ein Stammkapital in Höhe von je 25.000 Euro. Geschäftsführer des Initiators ist Diplom-Kaufmann Frank Hofmann. Er war bis 2003 in der Versicherungsbranche als Fachbereichs- und Filialleiter tätig. Im November 2010 gründete er die Okeanos Vertriebsservice GmbH, die Finanzprodukte verkauft. Markus Heiderich ist Geschäftsführer der Defoma GmbH. Er hat BWL studiert und war in einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen im Bereich Immobilien und in einem Banken- und Versicherungskonsortium beschäftigt. Beide verfügen über eingeschränkte Erfahrungen im Fondsbereich. Bis auf die immobilienbezogene Tätigkeit von Markus Heiderich, besitzen beide keine Expertise zu den geplanten Investments. Das Know-how zu den Asset-Klassen soll aus externen Analysehäusern gezogen werden. Dazu hat DEF nach eigenen Angaben einen Beratungsvertrag mit der Dr. Ludz Finanzanalyse- und -vermittlungsgesellschaft mbH und mit der Seppelfricke & Co. Family Office AG abgeschlossen.

(Update vom 18.3.2013) Gesellschafterdarlehen. Der Fonds gewährt seiner 100-prozentigen Tochter DEF Invest GmbH gemäß Rahmendarlehensvertrag ein unbesichertes, nachrangiges, endfälliges Gesellschafterdarlehen. Im Endeffekt gibt sich der Fonds selbst ein Darlehen, um Einkünfte aus Kapitalvermögen zu generieren. Die Darlehenslaufzeit ist identisch mit der des Fonds. Das Darlehen soll mit 11,3 Prozent jährlich verzinst werden. Nach Ende der vertraglichen Darlehenslaufzeit erhöht sich der Zinssatz auf 27,00 Prozent pro Jahr, zuzüglich etwaiger Verzugszinsen von 2,00 Prozent jährlich. Die angesetzte Zinshöhe spiegelt die ambitionierten Annahmen des Fonds wider, ist jedoch hinsichtlich der Konsequenzen bei deren Nichteinhalten für den Fonds rechtlich irrelevant.

Investitionskriterien. Die Investitionskriterien sind im Gesellschaftsvertrag verankert und somit verbindlich. Der Fonds kann andere geschlossenen Fonds (Zielfonds), auch Dach- und Zweitmarktfonds zeichnen – laut DEF betrifft das 30 bis 50 Prozent der Investitionssumme. Anleger tragen somit auch die Nebenkosten der Zielfonds, die als Dachfonds ebenfalls doppelstöckig strukturiert sein können. Anforderungen an die Zielfonds werden nicht gestellt. Investitionsgegenstand ist auch die mittelbare und unmittelbare Beteiligung an Unternehmen einschließlich deren Finanzierung. Angaben etwa zu geforderter Bonität oder Ertragsstärke der Zielunternehmen fehlen. Mit den vorgesehenen Asset-Klassen ist ein extrem weites Feld zu bestellen: erneuerbare Energien, Umweltprojekte, Non Performing Loans, Immobilien, Schienen-, Flug- und Schiffsverkehrsobjekte, Container und Anlagen in Private Equity. Wir vermissen qualitative und marktbezogene Einschränkungen zu den Asset-Klassen und Forderungen hinsichtlich der Erfahrungen, des Track-Records und der Bonitäten der Personen und Unternehmen, die die Zielinvestments realisieren sollen. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Investitions-Segmente als besonders riskant einzustufen sind. In wenigstens fünf der genannten Bereiche soll investiert werden, maximal 30 Prozent des Fondsvolumens pro Segment und pro Zwischengesellschaft beziehungsweise pro Unternehmen. Zehn Endobjekte sind vorgesehen, auf jedes dürfen maximal 15 Prozent des Fondsvolumens entfallen. Höchstens 30 Prozent dessen darf in Fremdwährungen valutieren. Mindestrenditen auf Objektebene wurden nicht gefordert. Die Gesellschafter können mit einer 75 Prozent-Mehrheit die Änderung der Investitionskriterien beschließen.
Nicht in den Kriterien enthalten, ist die Existenz eines Investitionsbeirats. Da der Beirat nur eine beratende Funktion ausübt und der Gesellschafter der fondsgeschäftsführenden Komplementärin selbst Mitglied ist, kommt dem Beirat nur eine eingeschränkte Bedeutung zu.



Finanzierung und laufende Vergütungen. Der Fonds finanziert sich vollständig aus Eigenkapital. Das Mindesteigenkapital beträgt rund 0,5 Millionen Euro und wurde laut DEF bereits platziert, nach oben gibt es keine Beschränkung. Auf Objektebene dürfen Darlehen in unbegrenzter Höhe aufgenommen werden. Folgende Darstellung ist nicht vergleichbar mit direkt investierenden Fonds: 79,6 Prozent des Fondsvolumens inklusive Agio sollen in die Anlageobjekte fließen. Rückerstattete Provisionen in Höhe von geplanten 9 Prozent der Investitionssumme sollen die magere Investitionsquote anheben. 0,2 Prozent fließen in eine kleine Liquiditätsreserve. Hohe 20,2 Prozent sind Fondsnebenkosten. Die Nebenkosten der Zwischen- und Zielfondsgesellschaften kommen noch hinzu. Auch wenn man die Rückvergütungen berücksichtigt, bleibt die Kostenbelastung hoch. Da Fremdwährungen nicht ausgeschlossen sind, bestehen Währungsrisiken.
Umfangreiche 1,65 Prozent des Eigenkapitals fallen durchschnittlich jährlich für laufende Fondsnebenkosten an. Außerdem sind die anteiligen jährlichen Nebenkosten der Zwischen- und Zielfondsgesellschaften zu tragen.

Rückfluss. Sofern der Gewinn der DEF Invest – also des Darlehensnehmers – 11,5 Prozent jährlich übersteigt, das liegt 0,2 Prozent über dem Gesellschafterdarlehenszinssatz, gehen hohe 50 Prozent der Mehrerträge an DEF. Nach Angabe des Initiators sollen die 11,5 Prozent dem Planszenario entsprechen. Die Regelung zur Gewinnverteilung ist anlegerunfreundlich, weil sie ab dem ersten Jahr auf Jahresbasis gilt. Im Sinne der Anleger wäre es vielmehr, wenn das Fondsmanagement dann an Überschüssen partizipiert, wenn das gesamte Fondskapital einschließlich einer Grundverzinsung zurückgeführt ist. Nachdem die Anleger Auszahlungen in Höhe ihres Eigenkapitals ohne Agio, zuzüglich 7,0 Prozent jährlich vor Steuern erhalten haben, stehen DEF weitere 20 Prozent der Mehrerträge zu. Sie erhält außerdem ein Prozent des Veräußerungsgewinns. Überplanmäßige Auszahlungen an die Anleger sind durch die Gewinnbeteiligung für DEF auf zwei Ebenen kaum erreichbar.
Einmalzahler, die jährlich Auszahlungen erhalten, sollen innerhalb von zehn Jahren insgesamt 140 Prozent ihres Eigenkapitals inklusive Agio, nach Steuern zurückbekommen. Das entspricht einer geplanten IRR-Rendite nach Steuern in Höhe von 4,1 Prozent jährlich. Einmalzahler, deren Rückflüsse thesauriert werden, sollen 157 Prozent ihres Eigenkapitals inklusive Agio, nach Steuern erzielen.

Eignung für Stiftungen. Wir sehen den Kapitalerhalt als gefährdet an.

fondstelegramm-Meinung. Die Bewertung eines Blindpoolfonds, der zudem äußerst weit gefasste Investitionskriterien vorsieht, zielt grundsätzlich in hohem Maße auf die Einschätzung der Erfahrungen und Erfolge des Anbieters ab. Das Management des neu gegründeten Emissionshauses verfügt über einige Erfahrung im Immobiliensegment und nur eingeschränktes Know-how im Fondsbereich. Bezüglich der mannigfaltigen weiteren, teilweise als riskant einzuschätzenden Asset-Klassen, die der Fonds bedienen will, ist das Fondshaus uneingeschränkt auf Dritte angewiesen. Für 30 bis 50 Prozent der Investitionssumme tragen die Anleger nicht nur die Nebenkosten dieses, sondern auch der Zielfonds. Das Ausmaß an Kosten ist wegen des Blindpools nicht bezifferbar, wird sich aber auf jeden Fall Rendite schwächend auswirken. Die niedrige Mindestbeteiligung geht mit der Gefahr einher, dass Anleger einer unpassenden Risikoklasse diesen Fonds zeichnen. Zwar soll die breite Aufstellung der Asset-Klassen das Risiko senken, um Risiken aber langfristig zu umschiffen, bedarf es mehr als einem Hinweis, welcher Fonds am Markt momentan gute Aussichten hat.

Kostenintensive Struktur, falsche Zielgruppe. Wir raten von einer Zeichnung ab.