Zweitmarktbilanzen. Das Geschäft mit dem Zweitmarkt boomt, Fonds mit gebrauchten Anteilen sind im Beteiligungsmarkt immer häufiger zu finden. Flankiert wird der Vertrieb mit aktuellen Leistungsbilanzen: Maritim Invest und HTB haben bereits ihre 2006er Zahlen veröffentlicht. Für die beiden Anbieter konnte es nicht schnell genug gehen, sprechen die bisherigen Ausschüttungen doch klar für das Segment.

Maritim Invest. Seitdem Maritim Invest unter dem Dach von Salomon & Partner im Jahr 2003 im Zweitmarktgeschäft aktiv ist, hat der Initiator per 31. März 2007 rund 4.700 Anleger mit knapp 5.200 Zeichnungen und einem Eigenkapital von 230 Millionen Euro in neun Fonds akquiriert. Im vergangenen Jahr legte Maritim Invest ihr erstes Private Placment auf, vertrieben über die Deutsche Bank. Hinzu kommen zwei weitere Exklusivprodukte für Banken mit dem Kooperationspartner MM Warburg und der Vermögensmanagement OWL. Daran zeigt sich, dass die Institutionellen das Geschäft mit Schiffsbeteiligungen immer stärker an sich reißen.

Investitionen. Maritim Invest investierte im vergangenen Jahr „das gesamte zur Verfügung stehende Eigenkapital“. Die ersten sechs Fonds der Serie Maritim Invest sind damit voll investiert. Jede vierte Schiffsbeteiligung, die dem Initiator zum Angebot auf dem Tisch lag, fand auch tatsächlich den Weg ins Portfolio. Zu knapp 1.159 Schiffsgesellschaften liegen dem Initiator aktuelle Ankaufskurse vor. Bis Ende 2006 tätigten die Fonds insgesamt 1.700 Ankäufe in rund 400 Fonds. Bemängelt wird im Markt zuweilen die Aggressivität, mit der Maritim Invest bei der Jagd nach Fondsanteilen vorgeht. 57 Prozent der Beteiligungen kauft Maritim Invest über Vermittler, ein Viertel kommt über Direktverkäufe ins Portfolio, 18 Prozent steuern Plattformen und Makler bei.

Bewertungssystem. Maritim Invest berechnet die Ertragswerte der angebotenen Fonds nach der Discounted-Cashflow-Methode; dabei werden die zu erwartenden Zahlungsströme der Zielfondsgesellschaften kalkuliert und auf den heutigen Wert diskontiert. Den Schiffsverkauf unterstellt Maritim Invest nach 16 Jahren. Rund 80 Kerndaten erfasst der Initiator zu jedem Fonds. Bewertet werden die Managementleistungen von Emissionshäusern und Reedern, Marktdaten, Tendenzen des Zeitcharter- und Spotmarktes, Befrachtungspools und Kostenentwicklungen. Hinzu kommen Kauf- und Charteroptionen, der Rang von Werftdarlehen, die Bedienung von Vorzugskapital und Profit-Sharing-Klauseln.

Kurse. Anhand der Ankaufskurse zum Nominalwert zeigt sich, dass Schiffsfonds auf dem Zweitmarkt von 2003 bis 2006 durchschnittlich immer teurer wurden. Kam der Premierefonds Maritim Invest 1 noch auf einen durchschnittlichen Ankaufskurs von 78,2 Prozent, liegt der Maritim Invest 6 bei 104,7 Prozent. Schiffspreise und Charterraten waren zwischenzeitlich in die Höhe geschossen, die Fonds steigerten ihre Einnahmen – entsprechend gewannen Schiffsbeteiligungen an Attraktivität. Allerdings spielen auch die anziehenden Ankaufsnebenkosten eine Rolle. Je mehr Käufer sich auf dem Zweitmarkt tummeln, desto höher steigen die Provisionen und Vermittlungsgebühren. Lagen die Ankaufsnebenkosten beim ersten Fonds noch zwischen ein bis zwei Prozent, hat sich dieser Wert bis Fonds 6 auf vier bis fünf Prozent erhöht.

Portfolio. Maritim Invest listet sämtliche Schiffe im Portfolio mit ihrem jeweiligen Ankaufsvolumen. Im vergangenen Jahr trennten sich die ersten sechs Fonds von Schiffen. Zwar führt der Initiator auch die Verkäufe auf, nennt jedoch keine Kursentwicklungen. Grafisch in der Bilanz dargestellt ist die jeweilige Portfoliostruktur. Containerfrachter mit 1.500 bis 3.500 TEU machen in fast allen voll investierten Fonds mehr als die Hälfte des Portfolios aus. Der Anteil der Feeder hält sich bei den späteren Fonds bei mehr als fünf Prozent. Flottenfonds fallen erst in jüngerer Zeit stärker ins Gewicht. Beteiligungen jenseits der Containerschifffahrt spielen praktisch keine Rolle. Bei den Altersklassen zeichnet sich bislang nur ein Trend ab: Der Anteil von Schiffen mit einem Alter von mehr als elf Jahren schwindet. Das Gros der Schiffe ist zwischen fünf und neun Jahren alt.

Ergebnis. Die sechs komplett investierten Fonds haben bislang mehr ausgeschüttet als prospektiert. Maritim Invest nennt die relativen Ausschüttungszahlen für die einzelnen Jahre. Weitere wirtschaftliche Ergebnisse sind der Bilanz leider nicht zu entnehmen. In der Leistungsbilanz 2005 tauchten immerhin noch Soll-Ist-Vergleiche Kommandit- und Investitionskapital, durchschnittliche Ankaufskurse und Steuerergebnisse auf. Insofern ist die aktuelle Bilanz ein Rückschritt.

HTB. HTB stieg im Jahr 2002 und damit ein Jahr früher als Maritim Invest in den Zweitmarkt für Schiffsbeteiligungen ein. Die ersten beiden Zweitmarktfonds HTB 1 und 2 kamen allerdings nur als Private Placements und sind in der Leistungsbilanz leider nicht berücksichtigt. Es folgten fünf weitere Schiffsfonds. Im vergangenen Jahr emittierte HTB dann ihren ersten Zweitmarktfonds für Immobilien. 53 Millionen Euro hat HTB über alle Fonds betrachtet bislang platziert – akquiriert bei 1.079 Anlegern, investiert in 454 Anteile. Die durchschnittliche Zeichnungssumme liegt bei 45.500 Euro.

An- und Verkauf. Nur die ersten fünf Schiffsfonds haben bislang ihre Ankaufsphase abgeschlossen. Wie bei Maritim Invest, steigen auch bei HTB die Ankaufskurse. HTB 3 kaufte zu durchschnittlich 60 Prozent ein, HTB4 kam auf 80, HTB 5 auf 83 Prozent. Das Durchschnittsalter der Fondsobjekte schwankt zwischen achteinhalb und neun Jahren. Bei der Darstellung bisheriger Rückflüsse aus Schiffsverkäufen geht HTB wesentlich informationsfreudiger um als Maritim Invest. Zu jedem Verkauf nennt HTB das Nominalkapital, die Anschaffungskosten, den Gesamtrückfluss und die Steigerungsquote. Die Fonds HTB 3 bis 5 lagen bei den Rückflüssen aus ihren bisher 20 Verkäufen zwischen acht und 267 Prozent über den Anschaffungskosten – im ungewichteten Durchschnitt 101,5 Prozent. Der bisherige Gesamtrückfluss von rund 1,6 Millionen Euro liegt 67 Prozent über den Gesamtanschaffungskosten der bereits wieder veräußerten Schiffe.

Übersicht. Auch HTB listet sämtliche Beteiligungen in den Zweitmarktfondsportfolios auf – mit wesentlich mehr Hang zum Detail als Maritim Invest. Zu jeder Emission tauchen Kurswert, Handelsdatum, Handelsplatz und aktueller HTB-Ankaufskurs auf. Beim HTB-Ankaufskurs handelt es sich zwar um eine subjektive Größe, für eine Trendmeldung lässt sie sich jedoch durchaus verwenden. Sowohl Investitions- als auch Bewirtschaftungsphase unterzieht HTB einem Soll-Ist-Vergleich. Berücksichtigt sind etwa Kosten, Steuerergebnis, Ausschüttung und Liquidität vor Ausschüttung.

Zielfonds. In den Portfolios der HTB-Fonds haben Beteiligungen an HCI-Fonds den größten Anteil; sie kommen in den drei voll investierten Publikumsfonds auf Anteile zwischen 29 und 39 Prozent. Der Anbieter mit dem zweitgrößten Anteil wechselt von Fonds zu Fonds: Nordcapital, Hansa Treuhand und MPC sind dort zu finden. Maritim Invest hat in ihrer Bilanz die Anteile der Emissionshäuser nach bewerteten – und nicht nach gekauften – Fonds gewichtet und sieht ebenfalls HCI vorn, gefolgt allerdings von Conti, die in den HTB-Portfolios kaum zu finden ist. Dafür spielen auch Hansa Treuhand und MPC bei Maritim Invest eine gewichtige Rolle.

Ausschüttung. Für den HTB 3 nennt HTB keine Ausschüttungsplanwerte; nach drei Jahren sind 28,5 Prozent an die Anleger zurückgeflossen. Nach seinen ersten beiden Ausschüttungsjahren ist der HTB 4 bei 18 Prozent angekommen, vorgesehen waren fünf Prozent. Auch der HTB 5 liegt in seinem ersten Jahr über Plan.

fondstelegramm-Meinung. Über den Sinn von Zweitmarktfonds lässt sich streiten – zumal dann, wenn Anbieter des Zielfonds, der Zweitmarktplattform und des Zweitmarktsfonds aus einer Hand kommen. Den Anbietern sind die Einnahmen sicher, für die Anleger müssen sich der Handel und das Investment erst noch als lukrativ herausstellen. Immerhin deuten die ersten Ausschüttungsvergleiche auf einen positiven Start ins Zweitmarktsegment hin. HTB hat die Messlatte für künftige Zweitmarktfondsbilanzen hoch gehängt. Maritim Invest liefert zwar Hintergrundinformationen zur Kursfindung und Portfoliostruktur; die eigentliche Fondsbilanz kratzt jedoch nur an der Oberfläche.

Bei der Bilanzierung von Zweitmarktfonds hat HTB momentan die Nase vorn.