Personalwechsel. Das Emissionshaus Juragent hat einen Personalwechsel im großen Stil vollzogen. Heinz Stöppel hat die Geschäftsführung aller vier Prozesskostenfonds des Anbieters niedergelegt und das Unternehmen verlassen. Für ihn rückt die Rechtsanwältin Anette Ehlers in den Vorstand; die Fondsgeschäftsführungen übernimmt Mirko Heinen. Neu bei den Fonds ist Dr. Ingo Seidemann in seiner Funktion als Generalbevollmächtigter. Mittelverwendungskontrolleur Wolfgang Gierk ist in seiner Tätigkeit eingeschränkt. Gegen den Rechtsanwalt und Steuerberater war vor einem Jahr ein Haftbefehl ergangen, Juragent hatte ihren Aufsichtsrat freigekauft. Die Kontrolle der Geldströme innerhalb der Fonds hat der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Braun übernommen.

Aufsichtsrat. Auch der Aufsichtsratsvorsitz ist neu besetzt. Professor Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität Berlin und bisheriges Aushängeschild bei Juragent hat diesen Posten aufgegeben. Aufsichtsratsvorsitzender ist nunmehr Dr. Heinrich Wohlfart. Als Hauptgrund für sein Ausscheiden nennt Hans-Peter Schwintowski ein BGH-Urteil aus dem Juni 2006, wonach ein Aufsichtsratsmandat mit einer gleichzeitigen wissenschaftlichen Beratung des Unternehmens nicht vereinbar sei. Der Nebengrund: „Operative Mängel“ bei Juragent wurden auf den Hochschulprofessor zurückgeführt, was ihn als Wissenschafter diskreditiert.

Fragwürdige Ausschüttungen. Die Rückflüsse der vier Prozesskostenfonds von Juragent bleiben bislang hinter ihren Erwartungen zurück. In der wenig aussagekräftigen Leistungsbilanz stellt Juragent zwar jährliche Ausschüttungen nach Plan in Höhe von sechs Prozent dar. Allerdings schießt Juragent als Geschäftsbesorger die Auszahlungen vor, solange die Fonds selbst nicht über entsprechende Mittel verfügen. „Sobald dies der Fall ist, werden die Ausschüttungen aus dem Prozesskostenfonds selbst gezahlt und die vorab von der Juragent AG gezahlten Beträge an diese zurückerstattet“, heißt es bei Juragent auf Nachfrage.

Aktueller Fonds. Der noch immer in der Platzierung befindliche Juragent 4 wies bis Juni 2006 noch keine Rückflüsse auf, zahlte für 2005 aber bereits sechs Prozent aus. Die Oberfinanzdirektion Münster hatte dem Juragent 4 bereits im Sommer 2005 die Zulässigkeit der rechtlichen Konzeption abgesprochen. Zwar werde die Berliner Finanzbehörde die Verluste vorerst zuweisen, aller Voraussicht nach später wieder aberkennen, teilte die Treuhänderin des Fonds den Anlegern mit. Nach Auffassung der Kanzlei Witt & Nittel klärt der Prospekt nicht hinreichend über die steuerlichen Risiken auf. Finanztest hatte den Fonds Ende 2006 auf seine Warnliste gesetzt.

fondstelegramm-Meinung. Den Anlegern wird durch die Auszahlung suggeriert, die Fonds liefen nach Plan. Dies ist mitnichten der Fall. Laut Hans-Peter Schwintowski gibt es kein solides Prozessratingverfahren; daher sei jedes Auswahlverfahren angreifbar. Das fondstelegramm hatte die Juragent-Fonds sehr kritisch besprochen. „Undurchsichtiges Angebot mit unrealistischen Renditeversprechungen“ lautet das Urteil der Analysen. Bis Ende dieses Jahres will Juragent einen weiteren Prozesskostenfonds auflegen. Wächst der Umsatzdruck angesichts des geplanten Börsengangs? Weitere Investments schüren die Interessenkonflikte zwischen Fonds beim Identifizieren von Prozessen. Zudem ist nicht erkennbar, wie Juragent für die bestehenden Beteiligungen ausreichend geeignete Prozesse findet.

Bevor sich Juragent neue Ziele steckt, sollte der Initiator bestehende Altlasten abbauen und die Transparenz erheblich verbessern.