Was bisher geschah. Am 24. Februar warf fondstelegramm unter anderen die Frage auf, ob es die Versicherungspolice, mit der Solvium Capital den Vertrieb ihres Container-Direktinvestments Solvium Protect beflügelt, möglicherweise gar nicht gibt. Hintergrund: Anleger und Vertriebe teilten unsere Erfahrung, dass man auch auf Anfrage beim Anbieter keine Police zu sehen bekommt, sondern lediglich „Bestätigungen“ aus zweiter Hand.

„Bestätigungen“. Die eine Bestätigung datiert vom 7. Januar dieses Jahres und kommt von der Nordtrust Insurance Broker GmbH aus Hamburg. Sie bestätigt der Firma Solvium Capital Portfolio GmbH, dass über Nordtrust ein Versicherungsschutz für das Produkt „Solvium Protect“ abgeschlossen worden sei und zwar mit einer AA-gerateten Versicherungsgesellschaft. Seit dem 7. Juli 2011 sei demnach für die Angebote dieser Reihe eine Rendite von 4,25 Prozent pro Jahr über maximal sieben Jahre und der Rückkauf der Container zu einem Betrag von 2.400 Euro je 20-Fuß-Standardcontainer und 24.000 Euro je Tankcontainer garantiert.
Die andere Bestätigung stammt vom Hamburger Rechtsanwalt Mark Odenbach von der Sozietät Barber Odenbach. Er bezeugt am 29. Juli 2011, ein Dokument eingesehen zu haben, das mit „Versicherungsvertrag“ überschrieben sei und das er nachfolgend „Versicherungspolice“ nennt. Eine Policennummer erwähnt er nicht. Dafür bestätigt er, dass es sich bei der fraglichen Versicherungsgesellschaft ausweislich ihrer Internetseite um – so wörtlich – „das führende Versicherungsunternehmen in Deutschland“ handle, das weltweit in den Bereichen Versicherungsgeschäft, Asset Management und Bankgeschäft tätig sei. Die fragliche Versicherung verfüge, so Odenbach, über ein AA-Rating von Standard & Poor’s und ein Aa3-Rating von Moody’s. Abschließend schreibt Odenbach noch, dass die Vereinbarkeit der von ihm eingesehenen Dokumente mit geltendem Recht oder eine tatsächliche Durchsetzbarkeit der Bestimmungen der „Versicherungspolice“ von ihm auftragsgemäß nicht geprüft worden sei. Auf Anfrage der Redaktion verschanzt sich Odenbach hinter seiner anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht.

Um welche Versicherung handelt es sich? Wer nach dem Wortlaut „das führende Versicherungsunternehmen in Deutschland“ im Internet sucht, bekommt etwa 100 Webseiten angezeigt, die allesamt auf die Allianz verweisen. Wer sich Ratings großer deutscher, international tätiger Versicherungsunternehmen anschaut und checkt, wer von ihnen sowohl über ein AA von S&P als auch über ein Aa3 von Moody’s verfügt und zudem noch obiges Leistungsspektrum bedient, der kommt ebenfalls zu der Erkenntnis, dass es allein ein einziges Unternehmen gibt, das hier gemeint sein könnte: die Allianz.

Kein Zweifel. Verschiedene Vertriebe und Anleger bestätigen fondstelegramm, dass auf entsprechend hartnäckige Nachfrage auch Solvium den Namen Allianz im Munde führt. In einer Stellungnahme zum fondstelegramm vom 24. Februar schreibt Solvium Geschäftsführer Marc Schumann: „Es war Wunsch der Versicherung, dass ihr Name nicht genannt wurde. Sie wollte verhindern, dass mit ihrem Namen geworben wird. Solvium kann daher nicht bestätigen, dass die Allianz Versicherung der Partner ist. Wäre sie es, so wäre es keine Überraschung, wenn eine Anfrage der Presse negativ beantwortet wird, sprich die Existenz der Versicherung abgestritten wird. Die Police ist kein Standardvertrag sondern von einem sogenannten Versicherungsmakler entwickelt worden. Die Unkenntnis einer Presseabteilung über eine derartige Police wäre auch nicht weiter verwunderlich.“ Schumann täuscht sich jedoch, was die juristische Relevanz einer Aussage eines Unternehmenssprechers betrifft. Die Allianz teilte fondstelegramm verbindlich mit: „Die Allianz ist nicht Versicherer der Containerinvestments, die von Solvium Capital (früher Carat Capital) angeboten werden. Es besteht kein Versicherungsvertrag für das Investmentprodukt der Solvium Capital mit einer Allianz Gesellschaft. Die von Ihnen angesprochene Police stammt nicht von der Allianz. Die Echtheit und Rechtsgültigkeit dieser Police können wir nicht bestätigen.“ Das ist keine Aussage einer Praktikantin, die später mal „irgendwas mit Medien“ machen will, sondern eine verbindliche Auskunft aus der Rechtsabteilung des Allianz-Konzerns. Im Hinblick auf die Rolle der Nordtrust teilt die Allianz mit: „Die Allianz hat mit beziehungsweise über Nordtrust keine Versicherung mit oben beschriebener Deckung abgeschlossen.“ Und weiter: „Bei einem tatsächlich bestehenden Versicherungsvertrag dürfte uns Solvium Capital natürlich auch als Versicherer nennen.“

Geheimhaltungszirkel. Wer die „Police“ unbedingt einsehen möchte, muss gegenüber dem Anbieter eine Verschwiegenheitsverpflichtung abgeben, die mit einer Million Euro strafbewehrt ist. So wird systematisch verhindert, dass die angebliche Police einer Plausibilitäts- und Echtheitsprüfung durch Dritte unterzogen werden kann. Wer Informationen zu der Police haben will, wird so automatisch zum Verschworenen. Das ist äußerst fragwürdiges Geschäftsgebaren und allein darauf abgestellt, Zweifler mundtot zu machen.

Bisschen viel Verschwiegenheitspflicht. Aus unserer Sicht ein Fall für den Staatsanwalt.