Das Volumen deutscher Immobilien, die im Jahr 2021 den Besitzer gewechselt haben, wird die 100-Milliarden-Euro-Grenze deutlich überschreiten – und damit selbst die Spitzenjahre aus Vor-Corona-Zeiten übertreffen. Die Pandemie hat die Welt der Immobilieninvestments jedoch auch zweigeteilt – in Gewinner und Verlierer: Wohnen und Logistik haben stark von der Krise profitiert, Shopping-Center und Hotels, Investorenlieblinge von einst, müssen sich neu erfinden, wenn sie nicht ganz in der Versenkung verschwinden wollen.

Wie nach der Wahl versprochen, haben es die Ampelparteien geschafft, noch vor Weihnachten eine Regierung zu bilden. Ihr ab jetzt einzulösendes Versprechen lautet, die großen gesundheitlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Probleme zu lösen. Die von ihr verbreitete Aufbruchstimmung spiegelt sich einstweilen in recht weit verbreitetem Wohlwollen, das der neuen Regierung entgegengebracht wird.

Viel Zuversicht, was die Zusammenarbeit mit der Politik betrifft
Die Immobilienbranche freue sich auf eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit", den "engen Austausch" und den "zielgerichteten Dialog" mit der neuen Bundesbauministerin Klara Geywitz, beschwor Andreas Mattner, der Präsident des Immobilienverbands ZIA, das konstruktive Miteinander, als die Ministerien besetzt waren.

Die Schnittmenge der jeweiligen Interessen ist tatsächlich recht groß. Denn das Ziel, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu errichten, spielt der Immobilienwirtschaft natürlich in die Hände. Ansonsten enden alle große Themen, die das Jahr 2021 bestimmt haben, weder mit dem Amtsantritt der neuen Regierung noch mit Silvester, sondern sie schwappen ins neue Jahr hinüber – und werden auch die Entwicklungen auf den Immobilienmärkten dominieren: ESG, Corona, Lieferengpässe, Inflationsanstieg, Zukunft der Büro- oder Heimarbeit.

Große Skepsis bezüglich der Umsetzung neuer Regularien
Mit Beginn des neuen Jahres tritt ein weiterer Teil der EU-Taxonomieverordnung in Kraft. Im Kern geht es darum, Nachhaltigkeit messbar zu machen. Für Immobilien sind dafür entsprechende Kriterien für die vier Bereiche Neubau, Ankauf, Sanierung und Dienstleistungen festgelegt worden. Bei ihrer Anwendung wird es aber Probleme geben, sagt beispielsweise Hannah Dellemann von der Kapitalverwaltungsgesellschaft Intreal. Sie berichtet aus dem Bereich Neubau, für den die Taxonomie Vorgaben für den Primärenergiebedarf macht: "Dieser soll um zehn Prozent unter den Schwellenwerten liegen, die im jeweiligen Land für ein Niedrigstenergiegebäude gelten", sagt die ESG-Beauftragte der Intreal. Die Werte seien aber auf nationaler Ebene nicht einheitlich geregelt. "Hinzu kommen erhebliche Unterschiede je nach Nutzungsart der Immobilie."

Ähnlich schwierig wird Dellemann zufolge die Anwendung einer Vorgabe für eine anzukaufende Bestandsimmobilie. Hier ist geregelt, dass ein Gebäude nur dann taxonomiekonform ist, wenn es entweder einen Energieausweis Klasse A hat oder in Bezug auf den Primärenergiebedarf zu den besten 15 Prozent seiner Klasse im nationalen oder regionalen Vergleich gehört. "Auch hier zeigen sich die Probleme, die in der Praxis auftauchen", warnt Dellemann. "Wie werden die besten 15 Prozent definiert? Wer entscheidet, was in diesem Zusammenhang regional heißt?" (tw)


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