Die Entscheidung der Sparkassen, ihren Privatkunden künftig den Handel mit Kryptowährungen doch zu ermöglichen, war aus Sicht des baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Matthias Neth richtig. Bei der Vorstellung von Halbjahreszahlen am Dienstag (29.7.) ließ er jedoch durchblicken, dass er nicht mit großem Kundenandrang rechnet. In der Immobilienfinanzierung beobachtet er hingegen ein anziehendes Neugeschäft.

Kryptowährungen: "Ganz vereinzelte Nachfragen"
"Die Entscheidung ist weise und klug. Das sage ich nicht nur deshalb, weil ich auch dafür gestimmt habe, sondern weil es der richtige Weg ist", erklärte Neth mit Blick auf den geplanten Start des Kryptohandels.

Die deutschen Sparkassen hatten sich im Juni darauf verständigt, künftig auch Privatkunden den Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin zu ermöglichen. Zuvor hatten sie dies weitgehend ausgeschlossen, während genossenschaftliche Banken bereits an einem entsprechenden Angebot arbeiten und noch im Sommer starten könnten. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank hat dazu eine Handelslösung mit dem IT-Dienstleister Atruvia und der Börse Stuttgart entwickelt.

Wie die Genossenschaftsbanken wollen auch die Sparkassen keine aktive Beratung anbieten. Das Angebot richtet sich an Selbstentscheider. Laut Neth wird es zudem jeder Sparkasse freistehen, ob sie den Handel überhaupt einführt. Ohnehin sei es nicht so, dass "die Kundschaft bei dem Thema uns die Häuser einrennt, im Gegenteil", so Neth. "Es sind ganz vereinzelte Nachfragen."

Wohnkredite: Trendumkehr nimmt Fahrt auf
Anziehendes Neugeschäft verzeichnen die Sparkassen in Baden-Württemberg derweil im Bereich der Wohnimmobilienfinanzierung. In den ersten sechs Monaten des Jahres sagten die 50 Institute im Land rund 6,8 Milliarden Euro an Wohnbaukrediten zu – sowohl für private als auch für gewerbliche Zwecke. Das entspricht einem Anstieg von rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein Jahr zuvor hatte die Steigerung bei etwa 23 Prozent gelegen.

Allein bei privaten Immobilienkrediten stiegen die Zusagen in der ersten Jahreshälfte auf 5,1 Milliarden Euro. Dennoch liegt die Darlehensvergabe laut Verband weiter auf niedrigem Niveau, vor allem beim Neubau. "Aktuell erwerben die Menschen in erster Linie Bestandsimmobilien", sagte Neth. "Für die Schaffung von dringend benötigtem neuen Wohnraum braucht es Vereinfachungen und Kostensenkungen am Bau sowie eine verbesserte staatliche Förderung."

Die Immobilienmärkte standen in den vergangenen Jahren durch gestiegene Zinsen unter Druck, was zu einem Einbruch bei Nachfrage und Kreditvergabe führte. Mit den inzwischen aber wieder gesunkenen Zinsen hat eine Trendumkehr eingesetzt. (Bloomberg/ohm)