Am 2. Juni teilte die Commerzbank Anlegern des offenen Immobilienfonds CS Euroreal mit, dass sie die für Juni geplante Auszahlung aussetzt. Die Begründung blieb dürftig. Es habe sich an der Höhe der Eventualverbindlichkeiten des Fonds seit der letzten Auszahlung im Dezember 2020 nichts verändert, hieß es, und die vorhandenen Mittel würden unverändert benötigt.

Der CS Euroreal, 1992 von der Credit Suisse aufgelegt, ist seit 2012 in Abwicklung. Als 2017 die von der Bafin für die Abwicklung angesetzte Fünfjahresfrist zu Ende war, ging die weitere Abwicklung auf die depotführende Commerzbank über. Von den damals noch 24 Objekten im Portfolio des Sondervermögens sind die letzten beiden im Dezember 2019 verkauft worden. Dennoch hält der Fonds Liquiditätsbestände von derzeit noch über einer halben Milliarde Euro vor. Um die Höhe des notwendigen Rückbehalts ist nun ein Streit entbrannt.

Das sei ein "im Wettbewerbsvergleich exorbitant hoher Rückbehalt", befindet die von Rechtsanwalt Robert Peres betreute Initiative "Fair Deal für CS Euroreal Anleger". Sie fordert von der Commerzbank, umgehend 350 Millionen Euro an die Anleger auszukehren und die Berechnung der Höhe der Eventualverbindlichkeiten offenzulegen, denn plausibel sei die Höhe der vorgehaltenen Liquidität nicht und folglich die Aussetzung der geplanten Ausschüttung gegen die Interessen der Anleger gerichtet. Die Initiative ruft die Bafin zu einer Sonderprüfung auf.

Informationspolitik gemäß gesetzlicher Mindestanforderung
Die Commerzbank verweist hingegen auf einen Wirtschaftsprüfer, der das Risikomodell geprüft habe, dass man sich gesetzeskonform verhalte und sich in Abstimmung mit der Bafin befinde. "Von einer Offenlegung der Kalkulation gegenüber einzelnen Anlegern oder Interessenten sehen wir ab", teilt eine Sprecherin der Commerzbank auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit, "da wir uns im Hinblick auf die Anlegergleichbehandlung dazu entschlossen haben, alle Anleger durch offizielle Abwicklungsberichte, entsprechend der gesetzlichen Mindestanforderung, zu informieren." Eine transparentere Information aller Anleger wäre allerdings auch möglich, ohne sich am gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmaß zu orientieren.

Auch die Nachfrage, welche eventuelle Verbindlichkeit laut Risikomodell inzwischen hätte wegfallen müssen, damit der Auszahlungsplan der Commerzbank bis Juni aufgegangen wäre, blieb unbeantwortet. Nicht nur die Kalkulation wird nicht offengelegt, so die Commerzbank, auch "einzelne Beispiele können nicht offengelegt werden".

Initiative wirft der Commerzbank Gebührenschneiderei vor
"Die Aussetzung der für Juni geplanten Ausschüttung des CS Euroreal kam völlig überraschend und ist ein verheerendes Signal für den Anlegerschutz in Deutschland", sagt Anwalt Peres und reiht den Vorfall in eine Reihe von "Fällen der krassen Missachtung von Anlegerinteressen" ein.

Die Commerzbank verweist zwar darauf, dass sie den gesetzlich und vertraglich möglichen Rahmen der ihr zustehenden Managementvergütung nicht ausschöpfen und für die Depotverwaltung gar keine Gebühren berechnen würde. Aus Anlegersicht, so die Initiative, sei jedoch "bedenklich, dass auch die zukünftigen Gebühren sich an der Höhe der zurückbehaltenen Barmittel orientieren und somit für das Institut ein Anreiz besteht, diese möglichst hoch zu halten." Dass die Juniauszahlung ausgesetzt wurde, stütze diese These. (tw)