Nach der Unruhe am US-amerikanischen Private-Credit-Markt rechnet die Gesellschaft Creditreform Rating nicht mit einem ungebremsten Überschwappen der Probleme nach Deutschland oder Europa. Das hat Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung, im Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" erklärt.

"Das Risiko am Private-Credit-Markt in Deutschland und Europa ist deutlich geringer als in den USA", sagte er. Er erwarte nicht, dass die Verwerfungen in den USA "mit zeitlichem Verzug auch in Deutschland oder Europa einschlagen".

Finanzierung abseits der Banken
Gemeint ist mit Private Credit in der Regel die Vergabe von Krediten durch Handelnde außerhalb des Bankensektors. Dieser Markt war zuletzt unter Druck geraten, besonders in den USA. Dahinter standen unter anderem Sorgen um womöglich aufgeweichte Kreditvergabestandards sowie die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf bestimmte Wirtschaftszweige, beispielsweise Software. Mehrere Anbieter von Private-Credit-Fonds begrenzten die Rücknahme von Anteilen.

Selbst die DZ Bank warnte in ihrem jüngsten Geschäftsbericht vor allgemeinen Marktrisiken im Zusammenhang mit Private Credit "angesichts der beachtlichen Größe des Marktes, insbesondere in den Vereinigten Staaten, und der inhärenten Intransparenz der Kreditvergabe".

Deutschland weniger gefährdet
Mohr zufolge gibt es zwischen den USA und Deutschland jedoch entscheidende Unterschiede in den Private-Credit-Märkten. "In den USA sehen wir am Private-Credit-Markt semi-liquide Strukturen, die Investoren teilweise ein Rückgaberecht ihrer Anteile einräumen. Wenn dann die Stimmung kippt, geraten die Investmentgesellschaften aufgrund von Abflüssen schneller unter Druck", sagte er.

In Deutschland und Europa gebe es hingegen vor allem geschlossene Fonds, bei denen die Rückgabemöglichkeiten eher die Ausnahme seien. "Abflüsse sind also weniger ein Thema", erklärte Mohr. "Hinzu kommt, dass in Deutschland und Europa eher institutionelle Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont investieren, während in den USA teilweise auch private Investoren am Private-Credit-Markt aktiv sind."

Nicht mehr Wegzudenken
Private Credit ist Mohr zufolge ein wichtiger Finanzierungsweg für Unternehmen in Deutschland, der in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Dahinter habe auch die Tatsache gestanden, dass Banken sich von manchen Finanzierungen zurückgezogen hätten. "Inzwischen hat sich die Wachstumsdynamik etwas abgeschwächt", erklärte Mohr. "Wegzudenken ist dieser Teilbereich der Finanzierungen aber nicht mehr."

Unternehmen, die sich in Deutschland und Europa Geld über den Private-Credit-Markt besorgen, seien vor allem mittelständische und große Mid-Cap-Unternehmen ohne Bonitätsnote, für die der Zugang zum klassischen Kapitalmarkt – etwa über Anleihen – aufgrund der Unternehmensgröße verwehrt sei.

"Gute Margen und Cashflows"
Es handelt sich Mohr zufolge nicht per se um schwächere Unternehmen. "Ganz im Gegenteil", erklärte er. "Sie verfügen oft über gute Margen und Cashflows, haben aber eine bewusst höhere Verschuldung und suchen nach flexiblen Finanzierungsmöglichkeiten." Private Credit käme beispielsweise oft bei Akquisitionsfinanzierungen und Private-Equity-Deals zum Einsatz.

Typische Investoren seien wiederum Versicherungen, Pensionen, Stiftungen und Family Offices. Sie könnten in Deutschland und Europa Renditen von sieben Prozent pro Jahr oder mehr erzielen. "Die Risiken geraten ein Stück stärker in den Blick. Investoren bevorzugen verstärkt Asset Manager mit guten Underwriting-Prozessen und Workout-Erfahrungen in Stressphasen", sagte Mohr. Der Fokus verschiebt sich derzeit "in Richtung Kapitaldisziplin und der richtigen Manager-Auswahl." (tw/Bloomberg)


Wie der Investmentmarkt in der Assetklasse Private Credit funktioniert und wie sich der deutsche vom US-amerikanischen unterscheidet, ist auch Thema einer Roundtable-Diskussion von FONDS professionell, an der auch Benjamin Mohr von Creditreform Rating teilgenommen hat. Nachzulesen ab Seite 18 im Sachwerte SPEZIAL, das der Ausgabe 2/2026 von FONDS professionell beiliegt, oder – für angemeldete Leser – hier im E-Magazin.