Knapp zwei Monate, nachdem die Deutsche Lichtmiete für einige Konzernunternehmen Konkurs angemeldet hat, hat Vorstand Alexander Hahn am Dienstag vergangener Woche (22. Februar) alle Insolvenzanträge zurückgenommen. Hahn begründet den ungewöhnlichen Schritt mit der "konkreten Aussicht", mithilfe von Investoren den Geschäftsbetrieb fortführen zu können. "Wir streben nach wie vor eine hundertprozentige Befriedigung aller Gläubigeransprüche an", versichert Hahn in einer Unternehmensmitteilung, es laufe ein Restrukturierungsprozess, um eine Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen, und es gebe erste Kapitalzusagen.

Streit um Lampenbestände
Im Zusammenhang mit der Bestandsaufnahme durch die vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter, Rüdiger Weiß und Malte Köster, tauchten indes Zweifel am Umfang noch vorhandener Produkte und deren Wert auf. Das "Handelsblatt" geht davon aus, dass in den Beständen des Beleuchtungsunternehmens Lampen im Herstellungswert von 56 Millionen Euro fehlen und holte sich vom vorläufigen Insolvenzverwalter Weiß eine entsprechende Bestätigung ein.

Die Deutsche Lichtmiete wehrt sich gegen den Vorwurf – ebenfalls mit Bezugnahme auf den Insolvenzverwalter. In dessen Gutachten stünde nämlich, dass "aufgrund der unklaren Datenlage ... lediglich der hälftige Betrag angesetzt" worden sei. Und auch dieser Betrag würde den vorhandenen Bestand nicht angemessen berücksichtigen, sagt die Deutsche Lichtmiete. Dabei habe ein Mitarbeiter der Insolvenzverwaltung gegenüber dem Lichtmiete-Vorstand erst ein paar Tage zuvor noch beteuert, man gehe davon aus, "alle Leuchten zu finden".

Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin
Für das Geschäftsmodell der Deutschen Lichtmiete, energiesparende Beleuchtungssysteme zu vermieten anstatt zu verkaufen, warb sie über Direktinvestments und Anleihen bei circa 5.000 Anlegern rund 200 Millionen Euro ein. Anfang Dezember vergangenen Jahres sperrte die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einer Durchsuchung alle Firmenkonten, was die unmittelbare Zahlungsunfähigkeit und den Gang zum Insolvenzgericht bewirkte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Sachen gemeinschaftlichen Betrugs gehen unterdessen weiter. (tw)