Der ehemals zur genossenschaftlichen Finanzgruppe gehörende Sachwertspezialist Doric bietet über sein Konzernunternehmen Vestinas London den Anlegern des "Geno Europafonds London" derzeit an, ihre Anteile an der Gesellschaft zu 30 Prozent des Nominalwerts abzukaufen. Seit Beginn der Laufzeit des Fonds, der eine Büroimmobilie in London bewirtschaftet, haben die Anleger Auszahlungen in Höhe von rund 47 Prozent erhalten. Bei Annahme des Kaufangebots kämen sie also auf einen Kapitalrückfluss von insgesamt rund 77 Prozent. Damit würden sie einen Kapitalverlust von rund 23 Prozent realisieren – ein gegebenenfalls gezahltes Agio nicht eingerechnet.

Zur Begründung der – geringen – Höhe des Angebots malt Doric ein düsteres Stimmungsbild der aktuellen Situation: Der alleinige Mieter Axa Investment Managers zieht nächsten Monat aus, und zeitgleich wird das aufgenommene Bankdarlehen in Höhe von 43,5 Millionen Britischen Pfund fällig. Hinzu kommt, dass die technischen Anlagen "zunehmend das Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer" erreichen würden, wie Doric den Anlegern schreibt, "eine längerfristige Anschlussvermietung ist unter diesen Umständen zu angemessenen Konditionen kaum möglich". Entsprechend stünden umfangreiche Sanierungsarbeiten an, die 30 Millionen Pfund kosten würden.

Über den Zweitmarkt war bisher das Doppelte drin
Von einem Verkauf über etablierte Zweitmarktplattformen rät Doric ab. Da seien bis zu vier Prozent Provision fällig und eine Umschreibungsgebühr in Höhe von 250 Euro. Was Doric allerdings nicht erwähnt ist die Tatsache, dass der Zweitmarktkurs für diesen Fonds in den vergangenen zwölf Monaten beispielsweise an der Fondsbörse Deutschland stabil um die 60 Prozent lag, teilweise sogar über 70. Das ist selbst nach Abzug fälliger Kosten noch rund das Doppelte des Angebots von Doric.

Selbst im denkbar schlechtesten Fall, dass nämlich die Immobilie schnell veräußert werden muss, um das fällige Bankdarlehen zurückführen zu können, stünden die Anleger auf Basis der von Doric selbst kommunizierten Daten besser da. Würde man nämlich zum Mittelwert des zwischen 52 und 55 Millionen Pfund aktuell festgestellten Immobilienwerts verkaufen, wäre in Verbindung mit der noch vorhandenen Liquidität ein Gesamtmittelrückfluss von 90 Prozent durchaus realistisch. Eine Anfrage von FONDS professionell ONLINE bei Doric blieb bis Freitagvormittag (14.8.2020) unbeantwortet. (tw)