Trotz hoher Abflüsse aus den offenen Immobilienfonds der "Grundbesitz"-Reihe plant die DWS keine Schließung der Fonds. "Eine Aussetzung der Rücknahme von Anteilen steht nicht an", sagte Clemens Schäfer, der das Immobiliengeschäft des Asset Managers in Europa und der Asien-Pazifik-Region verantwortet, dem "Handelsblatt".

Schäfers Aussagen sind vor dem Hintergrund hoher Rückgaben von Anlegern zu sehen. Aus dem gut 4,3 Milliarden Euro schweren Grundbesitz Europa flossen in den ersten acht Monaten dieses Jahres mehr als 640 Millionen Euro ab. Beim Grundbesitz Global, der aktuell rund zwei Milliarden Euro verwaltet, belaufen sich die Rückgaben von Anfang Januar bis Ende August auf über 300 Millionen Euro. Der gut 500 Millionen Euro schwere Grundbesitz Fokus Deutschland verbuchte in diesem Zeitraum Abflüsse von knapp 60 Millionen Euro.

Mehrere Wettbewerber haben ihre Fonds schon geschlossen
Die hohen Rückgaben sind kein spezifisches Problem der "Grundbesitz"-Fonds, sondern ein branchenweites Phänomen. Mitte August veröffentlichte Morningstar eine Analyse, laut der von Januar bis Juli 2026 netto rund 3,7 Milliarden Euro aus deutschen offenen Immobilienfonds abflossen.

Erste Anbieter sahen sich schon zum Handeln gezwungen: Seit Mitte Januar nimmt der Wertgrund Wohnselect D keine Anteile mehr zurück, Ende Februar folgte der Fokus Wohnen Deutschland, im März der UBS (D) Euroinvest Immobilien und Ende Juni schließlich der Habona Nahversorgungsfonds Deutschland. Nur wenige Tage zuvor hatte Kanam Grund bekanntgegeben, den offenen Immobilienfonds Leading Cities Invest in die Abwicklung zu schicken.

Gating wird "fortlaufend" geprüft
Eine Aussetzung der Anteilsrücknahme möchte Schäfer offensichtlich vermeiden. Geprüft wird aber, ob andere Instrumente zum Einsatz kommen, mit denen die Anbieter die Liquidität ihrer Fonds steuern können. Seit Mitte April sind die Fondsgesellschaften verpflichtet, entsprechende "Liquiditätsmanagementtools" (LMT) vorzuhalten. Die DWS hat sich aus dem Instrumentenkasten, den der Gesetzgeber vorsieht, für mögliche Rückgabegebühren von zwei bis fünf Prozent und Rücknahmebeschränkungen (Gating) entschieden. Beim Gating würden Rückgaben anteilig bedient.

"Wir prüfen fortlaufend, ob wir dieses Instrument aktivieren müssen", sagte Schäfer dem "Handelsblatt". Von einer Rückgabegebühr hält er dagegen wenig. "Wir haben dieses Werkzeug rechtlich vorbereitet", sagt der DWS-Manager. Allerdings halte er einen Rücknahmeabschlag "in der aktuellen Marktphase für wenig hilfreich", zitiert ihn die Wirtschaftszeitung. "Wer derzeit Geld aus einem Immobilienfonds abziehen möchte – zum Beispiel weil er am Aktienmarkt höhere Chancen sieht –, lässt sich durch zwei Prozent Abschlag nicht abhalten." (bm)