Die Verabschiedung der technischen Regulierungsstandards, die die Offenlegungsverordnung präzisieren und überhaupt erst anwendbar machen soll, ist gerade erst um sechs Monate auf den 1. Juli kommenden Jahres verschoben worden. Gleichwohl orientieren sich immer mehr Immobilieninvestoren bereits jetzt an ESG-Standards und gehen davon aus, dass nachhaltig konzipierte Investments langfristig die besseren Chancen bieten.

"Die Einhaltung von ESG-Kriterien ist bereits jetzt bares Geld wert", diagnostiziert André Heid, zertifizierter Sachverständiger für die Bewertung von Immobilien und Geschäftsführer von Heid Immobilien. "Büro- und Gewerbeimmobilien, die diese Nachhaltigkeitskriterien bereits erfüllen, können zehn Prozent höhere Marktwerte erzielen und bieten damit attraktive Renditeaussichten für Investoren."

Guter Wille ist da, noch fehlt die Messbarkeit
Eine aktuelle Umfrage der Ratingagentur Scope kommt zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent der Asset Manager in den kommenden zwei Jahren die Auflage nachhaltiger Finanzprodukte in der Anlageklasse Immobilien plane. Etwa ein Drittel der offenen Immobilienfonds für Privatanleger, sagt Scope, stufen sich jetzt schon als sogenannte Artikel-8-Fonds ein.

Dabei sind die Standards, eine entsprechende Zertifizierung vornehmen zu können, noch nicht eindeutig. "Es mangelt an der Messbarkeit vieler Kriterien", gibt Heid zu bedenken und nennt ein Beispiel: "Selbst CO2-Emissionen können nicht zuverlässig ermittelt werden, weil die Datenlage vieler Unternehmen dies nicht hergibt. Wie nachhaltig ein Unternehmen oder eine von diesem Unternehmen verwaltete Immobilie wirklich ist, lässt sich dann natürlich nur schwer feststellen." (tw)