Die auf Immobilien spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei Kucera hat den Anlegern der geschlossenen Beteiligung "Regionalfonds Baden-Württemberg" des Emissionshauses IWH angeboten, ihre Anteile zu einem Kurs von 63,5 Prozent zu übernehmen. Sie begründet das mit einer "besonderen Problemsituation" des Fonds. Der 2007 aufgelegte Fonds betreibt drei Büroimmobilien und ein Pflegeheim in Heidelberg, Freiburg und Esslingen.

Gemäß jüngstem Geschäftsbericht hat sich der Fonds jedoch planmäßig entwickelt und einige Jahre sogar oberhalb der geplanten Werte ausbezahlt. Paribus, ein Hamburger Sachwerte-Manager, der 2015 die IWH und die Geschäftsführung ihrer Fonds übernommen hat, sieht sich aufgerufen, zu intervenieren. "Üblicherweise", schreibt Paribus an die Fondsanleger, würden sie bei Kaufangeboten "keine konkreten Handlungsempfehlungen aussprechen". Das Angebot von Kucera halte sie "allerdings für deutlich zu niedrig".

Fondsgeschäftsführung warnt vor Verkauf unter Wert
Im Kaufangebot würde Kucera bewusst ein negatives Bild zeichnen, um Anleger zu verunsichern und zu einem Verkauf deutlich unter dem Wert ihrer Beteiligung zu bewegen, warnt Paribus und hält dagegen: Es sei davon auszugehen, dass auch weiterhin Auszahlungen geleistet werden können und keinerlei Notverkäufe notwendig würden. Den Anlegern würden, so die Beteuerung von Paribus, keine Verluste entstehen.

Insofern ist die Höhe des unterbreiteten Gegenangebots bezeichnend. Paribus macht den Anlegern ein Kaufangebot zu 105 Prozent der Pflichteinlage, wobei sich die Assoziation aufdrängt, dass neben der kompletten Kommanditeinlage auch das einst gezahlte Agio berücksichtigt wird. Paribus legt jedoch auch dar, dass allein schon durch die bisher geleisteten Auszahlungen 86,5 Prozent der ursprünglichen Einlage zurückgeführt wurden, sodass Anleger bei Annahme des Gegenangebots auf einen Gesamtmittelrückfluss von 191,5 Prozent kämen.

Marktwert toppt beide Angebote
Seit Ende Januar, also kurz nachdem den Anlegern die einander sich überbietenden Angebote vorlagen, kam es zu Transaktionen des Fonds auf der Zweitmarktplattform Fondsbörse Deutschland. Dort wechselten Anteile zunächst zu einem Kurs von 125 Prozent, kürzlich sogar zu 131 Prozent ihren Besitzer. Das ist mehr als das Doppelte des Angebots von Kucera – und macht deutlich, wie sehr es sich für verkaufswillige Anleger lohnen kann, verschiedene Offerten zu vergleichen. (tw)