Obwohl sie in den eigenen vier Wänden leben, kommen viele Rentner kaum über die Runden oder würden gerne über mehr Liquidität verfügen. Immer mehr Unternehmen versprechen hier Abhilfe. Sie bieten an, bis zu 50 Prozent der Immobilie zu erwerben und den Verkäufern ein lebenslanges Wohnrecht einzuräumen. Allerdings müssen die Verkäufer für den Teil, der ihnen dann nicht mehr gehört, ein Nutzungsentgelt zahlen.

Expertenstreit über Vor- und Nachteile
Das "Handelsblatt" ließ zwei Experten über die Vor- und Nachteile des Modells diskutieren. Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung, steht dem Teilverkauf skeptisch gegenüber. Rentnern mit Immobilienbesitz, aber ohne Liquidität, wäre mit einem Kredit besser geholfen, wirft er Marian Kirchhoff, dem Gründer der Deutschen Teilkauf, vor.

Kirchhoff hält dagegen: Wegen der seit 2016 geltenden Wohnimmobilienkredit-Richtlinie würden viele Rentner gar keinen Kredit mehr bekommen oder nur zu schlechteren Konditionen als die 2,9 Prozent pro Jahr auf den erhaltenen Kaufpreis, die die Deutsche Teilkauf als Nutzungsentgelt erhebt.

Kritische Punkte, die es zu beachten gilt
Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt Sebastians ist die aus seiner Sicht ungleiche Verteilung des Risikos. Das Kostenrisiko, dass die Instandhaltung der Immobilie mit sich bringt, so Sebastians Argument, verbleibe ebenso beim Teilverkäufer wie das Risiko, dass die 17-prozentige Gebühr, die beim Verkauf der Immobilie fällig wird, nicht durch eine zwischenzeitliche Wertsteigerung der Immobilie gedeckt ist.

Dafür bekäme der Teilverkäufer viel Flexibilität, entgegnet Kirchhoff, und er würde schließlich die Entscheidungshoheit darüber behalten, was mit seiner Immobilie geschieht. Darüber hinaus eigne sich das Modell auch als Instrument zur Verringerung von Erbschaftssteuer, meint Kirchhoff und benennt noch zwei wichtige Punkte, die man beachten müsse: Der Verkäufer solle nicht nur ein Wohnrecht, sondern einen im Grundbuch eingetragenen Nießbrauch haben, und beim letztlichen Verkauf der Gesamtimmobilie solle kein zusätzliches Durchführungsentgelt erhoben werden. (tw)