Immobilienfonds setzt Rücknahme von Anteilen aus
Vor 15 Jahren kam der auf Wohnimmobilien spezialisierte offene Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D auf den Markt – und bescherte den Anlegern anfangs ansehnliche Renditen. Doch diese Zeiten sind vorbei, hohe Rückgaben treffen auf einen schwierigen Markt. Jetzt zieht der Anbieter die Notbremse.
Die Wohnselect Kapitalverwaltungsgesellschaft hat die Rücknahme von Anteilen am offenen Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D mit heutiger Wirkung (15.1.) eingestellt. Zur Begründung führt das Unternehmen zwei parallele Entwicklungen an: Liquiditätszuflüsse aus Transaktionen seien schwerer planbar, da Verkaufsprozesse länger dauern würden und die Fremdfinanzierung auf Käuferseite restriktiver geworden sei. Zugleich würden die Rückgabevolumina branchenweit hoch bleiben.
Bei der Schließung des Wertgrund Wohnselect D handelt es sich um die erste Aussetzung der Anteilscheinrücknahme eines deutschen offenen Immobilien-Publikumsfonds seit der Branchenkrise der Jahre 2008 bis 2012. Andere offene Fonds, die von der Entwicklung der Immobilienmärkte in den vergangenen Jahren stark gebeutelt wurden, etwa der Uniimmo Wohnen ZBI oder der Leading Cities Invest der Kanam Group, haben mit Abwertungen, nicht mit der Rücknahmeaussetzung ihrer Anteile reagiert.
"Unser zentrales Anliegen ist ein sachgerechter Interessenausgleich zwischen Anlegern, die ihre Anteile zurückgeben möchten, und Anlegern, die langfristig investiert bleiben wollen. Die Aussetzung hilft, Verkäufe unter Zeitdruck zu vermeiden. Wir möchten mit der Aussetzung Werte schützen – im Interesse aller Anleger", erklärt Wertgrund-Vorstand Thomas Meyer. Ohne die Maßnahme, teilt das Unternehmen ergänzend mit, bestünde das Risiko, Rückgaben nur durch Notverkäufe bedienen zu können – typischerweise mit erheblichen Nachteilen für Fonds und Anleger.
Aussetzung der Rücknahme bis zu 36 Monaten möglich
Die Aussetzung der Anteilsrücknahme kann gemäß Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) bis zu drei Jahren anhalten. Wertgrund betont jedoch, die strukturellen Perspektiven im deutschen Wohnsegment seien grundsätzlich stabil: Die Neubauaktivitäten blieben deutlich unter dem Bedarf, und in den angespannten Wohnungsmärkten würden die Mieten langfristig stabile bis steigende Tendenzen aufweisen. Entsprechend hofft Wertgrund auf eine deutlich kürzere Zeit der Aussetzung der Anteilsrücknahme.
Der 2010 aufgelegte Fonds hat in den vergangenen Jahren Rückgaben in Höhe von rund 145 Millionen Euro, also etwas mehr als 30 Prozent des Nettofondsvermögens, bedient und in den vergangenen zwei Jahren fünf Objekte etwa auf Höhe ihrer jeweils aktuellen Verkehrswerte von zusammengenommen knapp 100 Millionen Euro verkauft. Während der vergangenen fünf Jahre betrug die Wertentwicklung des Fonds kumuliert nur plus 3,8 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren liegt der Fonds sogar rund 4,5 Prozent im Minus.
Ein weiterer offener Immobilienfonds wird rückabgewickelt
Vor knapp zwei Jahren hatte Wertgrund zusätzlich zum Wohnselect D den offenen Immobilienfonds Marktchancen (Wohnen) D aufgelegt. Dessen Konzept sah vor, das Potenzial von Wohnbau-Projektentwicklungen zu heben, die aufgrund der Marktverwerfungen der vorausgegangenen Jahre ins Stocken geraten waren. Der Fonds traf aber auf nur spärliches Interesse und hat keine Projekte anbinden können. Im Herbst vergangenen Jahres beschloss Wertgrund, den Fonds rückabzuwickeln. Die Anleger bekommen ihre Einlage in voller Höhe erstattet. (tw)














