Weil die Finanzierung selbstgenutzten Wohneigentums häufig ein Lebensprojekt ist, stellen viele im Rentenalter fest, dass sie zwar über ein ansehnliches Vermögen verfügen, es ihnen aber gleichwohl an Liquidität mangelt, weil es in der Immobilie gebunden ist. Die Babyboomer, also die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge, sind inzwischen im Rentenalter, deswegen hat sich ein variantenreiches Angebot an Dienstleistungen rund um die Immobilienverrentung etabliert. Neben dem Leibrentenmodell und dem Komplettverkauf gegen Nießbrauchrecht wird mehr und mehr auch der Teilverkauf gegen Nießbrauchrecht und anteiligem Nutzungsentgelt angeboten.


Eine ausführliche Gegenüberstellung der unterschiedlichen Modelle zur Immobilienverrentung mit Darstellung ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile lesen Sie in der gerade erschienenen Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell ab Seite 224. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch hier im E-Magazin abrufen.


FONDS professionell ONLINE sprach mit Christian Kuppig, Geschäftsführer von E&V Liquid Home, einem Unternehmen, das unter der Marke Engel & Völkers anbietet, bis zur Hälfte des selbstgenutzten Wohneigentums zu erwerben, ohne dass der Verkäufer daraufhin ausziehen müsste.


Herr Kuppig, welche Personen kommen für das Leibrentenmodell in Frage, welche eher für den Komplettverkauf gegen Nießbrauchrecht? Und für wen ist am ehesten der Teilverkauf gegen Nießbrauchrecht eine Option?

Christian Kuppig: Die Modelle Leibrente und Komplettverkauf gegen Nießbrauch haben einen Vorteil, der insbesondere für extrem sicherheitsorientierte Menschen relevant sein könnte: Beide Modelle ermöglichen ein lebenslanges Wohnrecht, ohne laufende Zahlung seitens des Verkäufers. Dafür werden zu Beginn relativ hohe Abschläge bei der Ankaufsbewertung angesetzt. Kunden, die eine hohe Flexibilität, Selbstbestimmtheit und hundertprozentige Handhabe über ihre Immobilie behalten wollen, sollten sich für den Immobilien-Teilverkauf entscheiden. Hier kann der Kunde eine maßgeschneiderte Lösung nutzen und nahezu so agieren, als wäre er weiterhin Alleineigentümer.

Sie bieten an, bis zu 50 Prozent einer Immobilie anteilig zu erwerben. Warum nicht mehr?

Kuppig: Das hat aktuell mit den Refinanzierungsmöglichkeiten zu tun. Es ist aber durchaus denkbar, dass in der Zukunft der mögliche Anteil noch erhöht wird.

Was passiert, wenn der Teilverkäufer sein Nutzungsentgelt mal nicht mehr bezahlen kann?

Kuppig: Wenn der Teilverkäufer das Nutzungsentgelt, was wir auch gern als anteilige Miete beschreiben, drei Monate nicht gezahlt hat und nach weiteren 90 Bankarbeitstagen – also nach insgesamt circa 7,5 Monaten – keinen Ausgleich der Verpflichtung geschaffen hat, erlischt das Nießbrauchrecht und die Immobilie wird gemeinschaftlich verkauft.

Worauf müssen Kunden beim Vertrag achten, wenn es um die Position "Durchführungsentgelt" geht?

Kuppig: Das Durchführungsentgelt ist eine Position, die am Ende der Partnerschaft als Kostenfaktor auf den Teilverkäufer zukommt. Diese Kosten werden bei E&V Liquid Home für die optimale Gesamtabwicklung des Verkaufes der gemeinsamen Immobilie erhoben. Beinhaltet sind bei E&V bereits die Maklerkosten, die ab Dezember 2020 hälftig vom Verkäufer zu tragen sind. 40 Jahre Erfahrung im Immobilienverkauf sind hier sicherlich ein starker Vorteil für den Teilverkäufer, denn am Ende ist es im Interesse beider Eigentümer oder der Erben, den bestmöglichen Preis für die gemeinsame Immobilie zu erzielen.

Vielen Dank für das Gespräch. (tw)