Während die Mieten für Wohnraum in Deutschland im vergangenen Jahr immerhin um 3,7 Prozent gestiegen sind, verteuerten sich Eigentumswohnungen um 14,3 Prozent. 3.140 Euro kostete im bundesweiten Durchschnitt ein Quadratmeter Wohnfläche. Schon im ersten Pandemiejahr 2020 stiegen die Preise für den Erwerb einer Wohnung um 11,2 Prozent. "Das enorme Niveau der Kaufpreise und die nochmaligen Anstiege sind sowohl überraschend als auch durchaus beängstigend“, heißt es im Frühjahrsgutachten der sogenannten Immobilienweisen, das am Dienstag (15.2.) in Berlin vorgestellt wurde.

Dabei zog die Neubautätigkeit an: Um rund 315.000 Wohnungen ist 2021 das Angebot größer geworden. Im Jahr zuvor waren es rund 306.000. Es wird jedoch am Bedarf vorbei gebaut, wird im Gutachten festgestellt. Denn der Boom beim Bau neuer Wohnungen konzentriere sich zu sehr auf kleine Geschosswohnungen, obwohl seit mehr als zehn Jahren die Zahl großer Haushalte mehr als doppelt so stark steigt als die Zahl kleinerer Haushalte.

Zinswende würde eine Korrektur bedeuten
Je stärker die Entwicklung der Mieten und die Entwicklung der Kaufpreise auseinanderklaffen, umso eher lässt sich von einer Überbewertung der Wohnimmobilie sprechen. Einstweilen sind die Zinsen so niedrig, dass hohe Kaufpreise nicht zwangsläufig zu Problemen führen. "Bei dieser Entwicklung kann man skeptisch sein", beurteilt jedoch Lars Feld gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Lage. Er ist Mitautor der Studie und neuerdings im Beraterstab von Finanzminister Christian Lindner. "Wenn die Zinsen nach oben gehen, wird es eine Korrektur geben."

Das Ziel der neuen Regierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, ist nach Einschätzung von Harald Simons, Mitautor des Frühjahrsgutachtens, unrealistisch: "Ein – durch welche Instrumente auch immer bewirkter – weiterer Anstieg der Baugenehmigungen kann sich aufgrund der langen Bauzeit erst in der nächsten Legislaturperiode in höheren Fertigstellungszahlen auszahlen." Die Angebotsknappheit wird folglich in nächster Zeit noch anhalten – und die Preise für Wohneigentum zumindest nicht runter gehen. (tw)