Index bricht ein: Immobilienstimmung kippt
Der deutsche Immobilienmarkt blickt deutlich pessimistischer in die Zukunft. Der ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex ist im zweiten Quartal in den negativen Bereich gerutscht, vor allem die Erwartungen der Marktteilnehmer brachen ein. Die Kapitalströme verlagern sich auf bestimmte Segmente.
Die Stimmung am deutschen Immobilienmarkt hat sich im zweiten Quartal deutlich verschlechtert. Das geht aus dem aktuellen Immobilienstimmungsindex hervor, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gemeinsam mit dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) erhebt. Das Immobilienklima sackte gegenüber dem Vorquartal um 17,5 Punkte auf minus 2,0 Zähler ab. Ausschlaggebend für den Rückgang war vor allem der starke Einbruch der Geschäftserwartungen um 27,8 Punkte auf minus 11,4 Zähler. Auch die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage verschlechterte sich und liegt nun bei 7,9 Punkten.
Nach Einschätzung der Studienautoren belasten vor allem anhaltende geopolitische Risiken, wirtschaftliche Unsicherheiten und die schwer kalkulierbare Entwicklung der Zinsen die Branche. Die eingetrübten Perspektiven ziehen sich dabei durch nahezu alle Nutzungsarten des Immobilienmarktes.
Büro und Einzelhandel
Im Bürosegment bleibt die aktuelle Geschäftslage mit 15,5 Punkten zwar vergleichsweise robust. Gestützt wird sie weiterhin durch bestehende Mietverhältnisse. Die Erwartungen der Marktteilnehmer haben sich jedoch deutlich verschlechtert. Gleichzeitig setzt sich der Trend zu hochwertigen Flächen in guten Lagen fort. Während moderne und energieeffiziente Objekte gefragt bleiben, geraten Immobilien mit geringerer Qualität zunehmend unter Druck.
Auch im Einzelhandel zeigt sich ein differenziertes Bild. Die aktuelle Lage wird weiterhin vergleichsweise positiv bewertet, die Erwartungen sind jedoch auf minus 17,2 Punkte gefallen. Widerstandsfähig zeigen sich insbesondere Nahversorgungsstandorte und Fachmarktzentren. Klassische Shopping-Center stehen dagegen ebenso wie einige Mixed-Use-Konzepte vor größeren Herausforderungen.
Wohnen und Projektentwicklung
Besonders schwach entwickelt sich die Stimmung im Wohnsegment. Die Geschäftserwartungen fielen auf minus 22,9 Punkte. Neben hohen Bau- und Finanzierungskosten sorgt nach Angaben des ZIA auch die Diskussion über mögliche weitere Eingriffe in die Mietregulierung für Verunsicherung. Gleichzeitig verschieben sich die Investitionsschwerpunkte. Bestandssanierungen, Seniorenwohnen und Umnutzungen gewinnen gegenüber Neubauprojekten an Attraktivität.
Unter erheblichem Druck bleibt die Projektentwicklung. Die Geschäftslage liegt in diesem Segment bei minus 25,0 Punkten. Hohe Baukosten, ein schwieriges Finanzierungsumfeld und eine schwache Nachfrage bremsen neue Vorhaben. Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit ungünstigeren Finanzierungsbedingungen.
Veränderte Investorenpräferenzen
Eine Sonderauswertung der Befragung zeigt zudem eine Verschiebung der Investorenpräferenzen. Besonders attraktiv erscheinen derzeit Wohnimmobilien mit Fokus auf Bestandssanierungen, Logistikimmobilien und Rechenzentren. Büro- und Einzelhandelsimmobilien bleiben zwar investierbar, die Anforderungen an Lage, Qualität und Anpassungsfähigkeit der Objekte steigen jedoch weiter.
ZIA-Präsidentin Iris Schöberl bezeichnete die Entwicklung als "lautes Alarmsignal an die Politik". Aus Sicht des Verbandes seien schnellere Genehmigungsverfahren, verlässlichere Finanzierungsbedingungen und weniger regulatorische Hürden notwendig, um Investitionen und Bautätigkeit wieder anzukurbeln. (dv)















