Das Rückgrat einer Volkswirtschaft ist ihre Infrastruktur. Wie gut sie funktioniert ist Qualitätsmerkmal eines Wirtschaftsstandorts. Klar, dass ihr zum Teil stark abgewirtschafteter Zustand beständig Gegenstand politischer Diskussionen ist. Die Instandhaltung und der Ausbau von Verkehrs- Kommunikations- und Energietransportnetzen erfordert Milliardeninvestitionen, die der Staat aber nicht ausreichend zur Verfügung hat.

Für Deutschland ermittelt die KfW jährlich den Investitionsrückstand. Der liegt seit Jahren bei rund 150 Milliarden Euro pro Jahr. Die massiven Staatsschulden, die als Preis für den Kampf gegen Corona-Folgen in Kauf genommen wurden, vereinfachen die Situation nicht gerade. Immer häufiger werden daher öffentlich-private Partnerschaften zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten gegründet werden. Das eröffnet Investmentchancen.


Grundzüge der Funktionsweise von Infrastrukturinvestments, Beispiele früherer Angebote und deren bisherige Erfolge sowie eine Gegenüberstellung von Chancen und Risiken lesen Sie ab Seite 232 in der aktuellen Ausgabe 3/2020 von FONDS professionell. Angemeldete Nutzer können den Artikel auch hier im E-Magazin abrufen.


Weil Investitionen in Infrastruktur sehr kapitalintensiv und langfristig sind, waren  Finanzierungspartner des Staats bisher überwiegend institutionelle Investoren. Hin und wieder ergeben sich aber Möglichkeiten für Privatanleger, mit moderaten Beträgen in das Segment der Infrastrukturinvestments einzusteigen. Aktuell im Vertrieb ist zum Beispiel eine 50 Millionen Euro umfassende Tranche der Anleihe "North America Water Infrastructure" (NAWI), über die Privatanleger ab 5.000 Euro in Anlagen der Wasserwirtschaft in USA und Kanada investieren können. FONDS professionell ONLINE sprach mit Martin Klöck, Vorstand der in Zürich ansässigen Signina Capital, die die Assets der NAWI-Anleihe managt.


Herr Klöck, welchen Stellenwert haben ESG-Kriterien für die von Signina betreuten Anlagenportfolios?

Martin Klöck: Obwohl die ESG-Kriterien im Wasserbereich schon recht weit gehen und stark mit den Nachhaltigkeitszielen der UNO korrelieren, haben wir zusätzlich noch die Greenbond-Kriterien der International Capital Market Association in unserem Fokus. Vor allem institutionelle Investoren fragen immer häufiger danach, ob ESG Kriterien eingehalten werden.

Was ist an der aktuellen Tranche, die Sie gerade begeben haben, anders als bei den bisherigen?

Klöck: Es handelt sich nicht mehr um einen Blindpool wie bei den vorausgegangenen Tranchen. Wir stellen im Prospekt bereits wesentliche Referenzobjekte vor. So zum Beispiel das Flusskraftwerk Braddock in Pittsburgh, bei dem wir – das ist ein weiterer Unterschied – ein langfristiges Stromabnahmeabkommen mit einer privatwirtschaftlichen Versicherung haben. Weitere Industriebetriebe, mit denen wir Wasseraufbereitungsverträge geschlossen haben, sind ebenfalls stark reguliert, so dass wir hier auch jeweils umfangreiche Unterstützung der Gemeinden bekommen.

Wie haben sich die bisherigen Tranchen entwickelt?

Klöck: Wir haben seit 2016 bei allen Tranchen prognosegemäße 5,5 Prozent pro Jahr ausgeschüttet. Ab dem ersten Quartal 2021 beginnen wir mit der Rückzahlung der ersten Tranche. Im Moment sieht es so aus, dass wir für 2021 auch leicht darüber liegende Ausschüttungen darstellen können.

Hat die Präsidentschaftswahl in den USA Auswirkungen auf die Bewirtschaftung der Anlagen?

Klöck: Die Wahlen im November machen uns keine Sorgen. Wir haben unter der Administration Trump keinen Schaden erlitten. Dazu fällt unser Geschäft zu wenig in ihren Fokus. Wir arbeiten mit lokalen Baufirmen und einem lokalen Management – allesamt amerikanische Firmen. Wir sind auf keinem negativen Radar. Im Gegenteil, nachhaltige Wasserwirtschaft ist eines der von Ivanka Trump besonders verfolgten Themen. Und auch die Demokraten werden, wenn sie gewinnen, kaum gegen den Umweltschutz agieren.

Vielen Dank für das Gespräch. (tw)