Anfang August vergangenen Jahres erreichte die Aktionäre des Immobilienkonzerns Preos eine gute Nachricht: Der Bürospezialist plane, fortan jährlich eine Dividende auszuzahlen, die fünf Prozent des durchschnittlichen Aktienkurses entspricht. Das erste Geld – für das Geschäftsjahr 2020 – sollte nach der Hauptversammlung 2021 fließen.

Die Aussicht auf diese Dividende war ein wichtiges Argument, als es im vergangenen Jahr darum ging, Vermögensberater und deren Privatkunden von der Preos-Aktie zu überzeugen. Der Preos-Großaktionär Publity möchte sich nämlich von den meisten seiner Preos-Anteile trennen und spannt dafür unter anderem Tippgeber ein. Anleger, die Preos-Aktien aus dem Publity-Bestand kaufen, erhalten 15 Prozent Rabatt auf den aktuellen Börsenkurs, und für die Tippgeber gibt es eine üppige Provision. Dieses höchst ungewöhnliche Vorgehen sorgte Ende vergangenen Jahres für Aufsehen (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Mittlerweile ist das Unternehmen von seinem Plan einer Bardividende für das Geschäftsjahr 2020 aber wieder abgerückt. Stattdessen sollen Gratisaktien ausgegeben werden, "um die für die Fortsetzung des Wachstumskurses erforderliche Liquidität zu sichern", wie es in offiziellen Verlautbarungen des Konzerns heißt.

Keine Dividende, weil es Token gibt?
Irritierend ist da die Aussage, die Preos-Gründer Thomas Olek am Mittwoch vorvergangener Woche (27. Januar) in einem Zoom-Call mit Tippgebern und Investoren machte. Dort begründete Olek die Entscheidung des Vorstands und des Aufsichtsrats, der Hauptversammlung die Ausgabe von Gratisaktien statt einer Bardividende vorzuschlagen, völlig anders – nämlich mit der Tatsache, dass es die Preos-Aktie mittlerweile auch als Token gibt. Viele Preos-Anleger hätten sich bereits für die tokenisierte Aktie entschieden; in diesem Fall könne man keine Bardividende auszahlen, weil kein Depotkonto vorhanden sei. Wer Geld ausbezahlt haben wolle, könne ja einfach seine Gratisaktien veräußern, so Oleks Vorschlag.

Das Argument mit dem fehlenden Verrechnungskonto mag zunächst einleuchtend klingen, zieht aber nicht wirklich. Denn für jeden Preos-Token gibt es eine dazugehörige Aktie, die von einer Treuhänderin gehalten werden. "Die Treuhänderin hat alle Erlöse (…), insbesondere ausgezahlte Dividenden, unverzüglich nach Erhalt an die Treugeber auszuzahlen", heißt es in den "Treuhand- und Tokenbedingungen". Darum muss auch jeder, der Token statt Aktien haben möchte, die für solche Zahlungen nötigen Angaben übermitteln.

Voraussetzung für eine Bardividende wäre ein Bilanzgewinn
Weder Thomas Olek noch der Preos-Vorstand reagierte auf eine Presseanfrage von FONDS professionell ONLINE. Die Redaktion bat auch die PR-Agentur, die für Preos arbeitet, mehrfach um eine Stellungnahme – ohne Erfolg.

So bleibt auch die Frage unbeantwortet, ob Preos voraussichtlich überhaupt dazu in der Lage wäre, für das Geschäftsjahr 2020 eine Bardividende auszuzahlen. Voraussetzung hierfür wäre ein Bilanzgewinn nach Rechnungslegungsstandard HGB. In den Jahren 2018 und 2019 gab es nach HGB einen Bilanzverlust, die Zahlen für 2020 wurden noch nicht veröffentlicht. Der Konzern-Zwischenabschluss für das erste Halbjahr 2020 (nach IFRS) weist zwar einen deutlichen Gewinn aus. Dieser stammt allerdings im Wesentlichen aus der Aufwertung einiger Immobilien. Andere Geschäftszahlen lesen sich weniger erfreulich (siehe den Beitrag "Ein Blick in die Preos-Bilanz").

30.000 Euro Beraterhonorar pro Monat
Interessant sind Oleks Aussagen auch deshalb, weil er bei der Preos kein offizielles Amt innehat. Jüngst legte er seinen Vorstandsposten beim Mutterkonzern Publity nieder. Seither ist er offiziell nur noch als Berater für die Firmengruppe tätig, nicht mehr mit operativer Funktion. Die Publity zahlt Oleks Unternehmen TO-Holding dafür eine pauschale Vergütung von 30.000 Euro pro Monat. "Etwaige Reisekosten und andere Spesen werden nach Vorlage von Belegen und Rechnungen gesondert erstattet", heißt es in einem jüngst veröffentlichten Nachtrag zum Token-Prospekt.

Mit 360.000 Euro im Jahr liegt Oleks Vergütung übrigens genauso hoch wie die von Preos-Vorstandschef Frederik Mehlitz – und dreimal so hoch wie das Gehalt des im Dezember berufenen Preos-Vorstands Stephan Noetzel. (bm)