Malte Hartwieg ist Anfang Dezember vergangenen Jahres festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das berichtet das "Handelsblatt". In U-Haft wartet der ehemalige Fondsinitiator und Gründer der auf geschlossene Beteiligungen spezialisierten Vertriebsplattform Dima24 auf den Beginn des Gerichtsverfahrens gegen ihn.

Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage erhoben, der Prozess wurde auch schon vor der sechsten Strafkammer des Landgerichtes München I eröffnet, wie die Ermittlungsbehörde auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mitteilte. Die Hauptverhandlung werde aber frühestens Ende des Frühjahrs beginnen, so die Wirtschaftszeitung.

Millionenschaden
Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit 2014 gegen Hartwieg. Laut Handelsblatt hat das Gericht vier Anklagepunkte zugelassen, weitere seien "in der Pipeline". Die Strafverfolger sind davon überzeugt, dass Hartwieg Anleger betrogen hat, um sich zu bereichern. Den möglichen Schaden beziffert die Behörde auf bis zu 168 Millionen Euro.

"Wir haben die Täuschungshandlung zum Investitionsziel, zu den Sicherheiten und zur Mittelverwendung herausgearbeitet", zitiert die Zeitung eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zwar habe es einige Rückzahlungen an Investoren gegeben, diese seien jedoch "allein aus Anlegergeldern" geleistet worden. Die Behörde gehe deshalb von einem "Schneeballsystem" aus, so das Handelsblatt. Die Zeitung versuchte, Hartwieg für eine Stellungnahme zu erreichen – ohne Erfolg.

Aufenthaltsort Ungarn
Vor seiner Festnahme lebte Hartwieg, der in der Vergangenheit für seinen schillernden Äußeres mit Lidstrich-Bart, Karibik-Bräune, kurz geschorenen Haaren und teuren Anzügen bekannt war, einige Jahre in Ungarn. Von dort korrespondierte er gelegentlich mit dem Handelsblatt per Mail, berichtet die Zeitung. In einer Nachricht aus dem Jahr 2019 habe er mitgeteilt, er könne sich zu den Ermittlungen nicht äußern. 

Journalisten der Zeitung "Die Welt" hatten Hartwieg 2017 in Ungarn ausfindig machen und mit ihm sprechen können. Damals bestritt er, dass er Schuld an den Verlusten seiner Anleger trage. Er überraschte damals mit der Aussage, dass er bereit sei, ins Gefängnis zu gehen. Zuvor müsse ihm jedoch bewiesen werden, dass er etwas Schlechtes gemacht habe. 

Komplexes Firmenimperium
Das Firmengeflecht von Hartwieg gilt als schwer zu durchschauen: Er selbst war bei vielen Fonds sowohl Initiator als auch, via Dima24, zentrale Vertriebstelle. Das klappte eine Zeit lang gut. 2014 ging das Firmenimperium in die Brüche.

So hatten alleine 2015 acht Firmen der von Hartwieg kontrollierten Unternehmensgruppe NCI New Capital Invest Insolvenz angemeldet. Diese sollten das Geld unter anderem in eine ominöse "Dynasty Oil Company" in Texas und in Bio-Energie-Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten investiert haben. Auch Investments von Hartwiegs Euro Grundinvest Gruppe (EGI), die in Immobilien investierte, gerieten in finanzielle Schieflage und bescherten Anlegern hohe Verluste. 

Nicht nur wirtschaftliche Probleme
Die Ermittler glauben aber, dass die Verluste nicht durch rein wirtschaftliche Probleme bei der Anlage entstanden. Vielmehr, so muss man die oben gemachten Angaben der Behörde verstehen, sei nicht beabsichtigt gewesen, die Gelder in die angegebenen Objekte zu investieren. (jb)