Wer sein Geld lieber in Pinot Noir als in Wertpapiere steckt, bekommt laut einer neuen Studie zwar reichlich Gesprächsstoff für die nächste Dinnerparty, die Veränderung beim eigenen Kontostand fällt dabei aber nur ziemlich mager aus. Forschende um den Finanzprofessor Elroy Dimson von der Cambridge Judge Business School haben anhand von Daten über mehr als ein Jahrhundert hinweg untersucht, wie sich Sammelobjekte wie Kunst, Wein oder Oldtimer rechnen – und wie viel emotionalen Ertrag sie bringen.

Die Analyse umfasst Renditedaten aus 110 Jahren für 13 Anlageklassen, darunter Gemälde, Münzen, Teppiche, Möbel, Schmuck, Wein, klassische Autos und Violinen. Insgesamt wurden 30 Zeitreihen ausgewertet, teils mit Unterkategorien wie Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts, moderne, Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst. In 24 der 30 Reihen fanden die Forschenden einen positiven emotionalen Ertrag, im Mittel lag dieser "Emotional Yield" bei jährlich rund 2,64 Prozent.

Renditeabschlag als emotionaler Mehrwert
Um diesen nicht-finanziellen Nutzen zu bestimmen, konstruierten die Autorinnen und Autoren zunächst ein breit diversifiziertes Sammelportfolio aus den verschiedenen Kategorien. Dieses verglichen sie mithilfe eines Modells mit einem Portfolio liquider Wertpapiere, das die gleichen Risiko-Exposures aufweist wie die Sammelobjekte. Die Differenz in der erwarteten Rendite interpretieren sie als emotionalen Mehrwert, im Grunde nichts anderes als den Renditeabschlag, den Sammlerinnen und Sammler offenbar hinnehmen, weil ihnen Besitz, Status und Freude an den Objekten wichtiger sind als ein paar Prozentpunkte mehr Rendite.

Das zentrale Ergebnis: Vermögenswerte mit positivem emotionalen Ertrag weisen im Gleichgewicht niedrigere finanzielle Renditen auf. Je mehr Genuss oder Prestige ein Asset bietet, desto eher sind Anleger bereit, auf finanzielle Performance zu verzichten. Die Forschenden setzten dabei auch Machine-Learning-Verfahren ein, um Probleme wie asynchrone Handelszeitpunkte in den historischen Daten zu adressieren.

ESG nur als gutes Gefühl "richtig" zu liegen?
Über den Sammlermarkt hinaus ziehen die Autorinnen und Autoren Parallelen zur nachhaltigen Geldanlage nach Umwelt‑, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG). Wer etwa in "grüne" oder besonders verantwortungsvoll geführte Unternehmen investiert, erhält laut Studie ebenfalls einen nicht-monetären Nutzen, nämlich das gute Gefühl, "richtig" zu investieren. In einem Marktgleichgewicht bedeute das jedoch, so die Argumentation, dass ESG-Anlagen tendenziell geringere finanzielle Erträge liefern, weil ein Teil der Gesamtvergütung aus diesen immateriellen Vorteilen besteht.

Genau hier widerspricht die Studie einem gängigen Verkaufsargument der Branche. Asset Manager preisen nachhaltige Produkte häufig als Investments mit überlegenen risikoadjustierten Renditen an, die gleichzeitig "die Welt verbessern". Die neue Analyse legt dagegen nahe, dass nachhaltige Anlagen zwar durchaus attraktiv sein können, aber eher, weil sie Sinn stiften und Werte verkörpern, nicht weil sie die klassische Rendite dominieren.

Drei Co-Autoren
Veröffentlicht wurde die Arbeit unter dem Titel "Emotional Yields of Collectibles" im Fachmagazin "Financial Analysts Journal". Co‑Autoren neben Dimson sind Kuntara Pukthuanthong von der University of Missouri und Blair Vorsatz, Portfoliostrategin beim US-Vermögensverwalter Dodge & Cox. Ihre Botschaft an Sammlerinnen, Sammler und ESG-Fans ist nüchtern: Emotionale Dividenden gibt es selten gratis, sie werden oft mit ein paar Basispunkten weniger aufs Depot bezahlt. (hh)