Die LBBW will eine Plattform etablieren, über die Anleger einen Zugang zu Investitionen in deutsche Infrastruktur bekommen können. Im Visier hat sie dabei nicht nur institutionelle Geldgeber. Nach Berechnungen der Bank wird die Modernisierung der Infrastruktur in den nächsten zehn Jahren zwischen 600 Milliarden Euro und 1,5 Billionen Euro kosten. 

"Ein Großteil dieser Investitionen entfällt auf kommunalnahe Unternehmen wie Stadtwerke, die die Kosten nicht alleine stemmen können und privates Kapital brauchen", erklärte Daniel Wrobel, Bereichsvorstand Capital Markets Sales & Origination, in einem "Bloomberg"-Interview. 

Finanzierungslösungen schnell und effizient strukturieren
Die neue Plattform "Zukunft finanzieren", deren Start in den nächsten Wochen vorgesehen ist, soll Investoren und kommunennahe Firmen zusammenbringen. Sie erlaubt es laut Wrobel, steuerlich und regulatorisch optimierte Finanzierungslösungen schnell und effizient zu strukturieren, und zwar jenseits der kommunalen Haushalte. Sie können etwa Eigenkapital, Fremdkapital und hybrides Kapital enthalten.

Die LBBW habe in den vergangenen Monaten mit vielen kommunennahen Unternehmen sowie Investoren gesprochen und "festgestellt, dass sie bei den Vorstellungen zu den Konditionen gar nicht so weit auseinanderliegen", so Wrobel. Das gelte vor allem für heimische Investoren wie Versorgungswerke, Versicherungen oder auch Family Offices. "Bei ihnen kommt neben Renditeaspekten auch noch ein gewisser Grad an Lokalpatriotismus hinzu", so Wrobel.

Private Investitionen für den Erhalt der Infrastruktur notwendig
Bei den Infrastrukturfinanzierungen, wie die Landesbank sie nun plant, können Investoren laut Wrobel – je nach Risikoprofil – Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich erzielen.

Die Gelder, die über die LBBW-Plattform eingesammelt werden, sollen zum Beispiel in den Aufbau und die Modernisierung von Strom- und Wärmenetzen, aber beispielsweise auch in die Finanzierung von E-Mobilitätslösungen im Nahverkehr fließen. Investitionen dieser Art sind lange vernachlässigt worden. Der Erhalt öffentlicher Infrastruktur wird nach Ansicht von Experten nur noch mit privaten Investitionen möglich sein.

Ein Pilotprojekt und zwei geplante Fonds
Die LBBW arbeitet derzeit schon "an einem Pilotprojekt, bei dem es um die Finanzierung der regionalen Netzinfrastruktur eines Stadtwerkes geht", erklärte Wrobel, ohne Namen zu nennen. "Wir sprechen dazu mit einem Investor, der das Projekt prüft, und mit einer Förderbank."

Neben solchen direkten Finanzierungen von Infrastrukturprojekten durch jeweils einen einzelnen Investor plant die LBBW auch zwei Fonds – jeweils einen für institutionelle und für private Investoren. "Über diese Fonds können verschiedene Investoren dann in verschiedene Projekte investieren. Wir rechnen hier mit einem Mindestvolumen von jeweils 100 Millionen Euro", sagte Wrobel. Angedacht ist, die Fonds zum Beispiel über die lokalen Sparkassen zu vertreiben.

Einkunftsquelle auch für die Landesbank
Der LBBW wiederum winken zusätzliche Erträge, etwa für Strukturierungen von Finanzierungen und Beratungen. Bereits in der Vergangenheit hatte sich die LBBW bei der Finanzierung von größeren Infrastrukturprojekten engagiert. Als etwa ein Konsortium unter Führung der SV Sparkassenversicherung vor etwa zwei Jahren rund ein Viertel der Anteile am Stromnetzbetreiber Transnet BW übernahm, war die Landesbank als Berater und Mitfinanzierer an Bord. (Bloomberg/tw)