Malte Hartwieg muss eine Freiheitsstrafe verbüßen. Das Landgericht München hat den ehemaligen Sachwertfonds-Initiator und Vertriebler nach nur zwei Monaten Verhandlung wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Haftstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt. Das berichtet das "Handelsblatt".

Der ehemalige "Graumarktkönig" habe beim Verkauf nicht werthaltiger Fonds "sportlichen Ehrgeiz und eine Vielfalt von Ideen" entwickelt, zitiert die Zeitung die Richterin. Seine unbestrittenen Fähigkeiten im Marketing habe er "für ein betrügerisches System" eingesetzt. Das Gericht hob dem Handelsblatt zufolge das besondere Ausmaß seiner Taten hervor: Hartwieg habe Tausende Opfer um insgesamt rund 170 Millionen Euro gebracht.

Absprache
Das Urteil und die Höhe des Strafmaßes sei das Ergebnis einer "Verständigung" zwischen dem Gericht, den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft, die ab 2014 gegen ihn ermittelt hatte. Hartwieg, der seit Dezember 2020 in Untersuchungshaft sitzt, habe sämtliche Taten, die ihm zur Last gelegt worden war, vollumfänglich eingeräumt, schreibt die Wirtschaftszeitung. Damit habe der Ex-Chef des Discount–Vertrieb Dima24 allen Beteiligten eine lange Gerichtsverhandlung erspart. Im Gegenzug könne er sich Hoffnung machen, nach Verbüßen von zwei Dritteln der Strafe wieder ein freier Mann zu sein.

Hartwieg hatte in den 2000er Jahren ein verschachteltes Firmenimperium mit geschlossenen Fonds geschaffen, die er über seine Unternehmensgruppe New Capital Invest kontrollierte. Anleger warb er mit Werbeflyern und Prospekten sowie Akquise per Telefon. Zudem veröffentlichte er unter Pseudonymen Analysen, in denen seine Fonds gut wegkamen. Die so gewonnen Anlegergelder sollen unter anderem in eine ominöse "Dynasty Oil Company" in Texas und in Bio-Energie-Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten geflossen sein. 

Schneeballsystem
Eine Zeit lief das Geschäft, es gab auch Ausschüttungen. 2013 war es damit aus – die Fonds rutschten in die Insolvenz. Die Anlagen besaßen nicht die vorgegebene wirtschaftliche Substanz. Hartwieg machte laut dem Bericht des Handelsblattes dennoch weiter: "Er ist durch das Aufsetzen und Vertreiben eigener Fonds in eine Spirale hineingeraten, die letztlich in einem Schneeballsystem mündete, aus der er nicht mehr herausgekommen ist", zitiert die Zeitung aus Angaben seines Verteidigers. Seitdem versucht der Insolvenzverwalter Rolf Pohlmann aus München bei rund 60 Gesellschaften zu retten, was zu retten ist. Den Anlegern machte er dem Bericht zufolge zuletzt wenig Hoffnung.

Neben Hartwieg ist auch sein damaliger Partner Christian K. in einigen Fällen angeklagt. Er lebt aber in den Vereinigten Arabischen Emiraten, deren Behörden gegen ihn wegen Geldwäsche und Unterschlagung ermitteln, so dass er das Land nicht verlassen dürfe, schreibt das Handelsblatt. Sein Verfahren wurde abgetrennt. (jb)