Erste Schätzungen waren von einem durch die Coronakrise bedingten Preisverfall am Wohnungsmarkt um bis zu 25 Prozent ausgegangen. Inzwischen scheint sich die Stimmung aber aufzuhellen. Einem Überblick zufolge, den der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) über verschiedene aktuelle Studien zusammengestellt hat, wird sich der Preisanstieg bei deutschen Wohnimmobilien dieses Jahr fortsetzen.

Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ging noch im April in einem Gutachten von einem Rückgang der Preise für Wohnimmobilien in den 50 größten deutschen Städten um bis zu zwölf Prozent aus und berichtet in einem heute (25. Juni) veröffentlichten Kurzbericht von einem "Stimmungseinbruch im Immobilienmarkt". Im Hinblick auf Wohnimmobilien relativiert das Institut jedoch sein Ergebnis von vor zwei Monaten deutlich.

Verschiedene Immobiliensegmente unterschiedlich stark betroffen
Denn während rund ein Viertel der Vermieter von Büro- und Einzelhandelsimmobilien von Krisenfolgen "stark betroffen" seien, trifft das der IW-Umfrage zufolge nur auf knapp zwei Prozent der Wohnungsvermieter zu. Sie würden, so das Fazit von Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte beim IW, "besser durch die Krise kommen, da die Nachfrage nach Wohnraum weiter hoch ist und Wohnungsmieten weniger stark auf konjunkturelle Einbrüche reagieren."

Das Immobilienberatungsunternehmen F+B hat dem BVR-Überblick zufolge Immobilienanzeigen ausgewertet und sei zum Ergebnis gekommen, dass die Preise von Eigentumswohnungen im bisherigen Verlauf der Krise im Bundesdurchschnitt relativ konstant geblieben sind. "Corona-Rabatte", die eine leichtere Vermarktung von Immobilien ermöglicht hätten, seien nicht zu erkennen. Der Immobilienverband IVD wiederum, so der BVR, gehe davon aus, dass 2020 trotz der Krise die Kaufpreise für Eigentumswohnungen voraussichtlich um vier bis fünf Prozent zunehmen werden.

Wohnimmobilien verteuern sich um vier bis fünf Prozent
Auch der BVR selbst schätzt die Folgen der Coronakrise für Wohnimmobilien als vergleichsweise gering ein. In einer Auswertung der Entwicklung von Preisen für Wohneigentum in 401 deutschen Landkreisen im Hinblick auf Wanderungsbewegungen und die Entwicklung von Einkommen und Zinsen zeige, dass sich die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum im bundesdeutschen Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent verteuert haben. (tw)