Der Umsatz an Büroflächen ist an den sieben wichtigsten Standorten Deutschlands um durchschnittlich 37 Prozent eingebrochen, haben Marktbeobachter wie JLL und BNP Paribas Real Estate beim Vergleich der ersten drei Quartale dieses Jahres mit den entsprechenden Zahlen des Vorjahrs ermittelt. Insgesamt wurden in den bisher neun Monaten des Jahres weniger als zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche neu vermietet. Letztes Jahr um diese Zeit waren es bereits über drei Millionen.

JLL sieht jedoch nicht allein in Covid-19 die Ursache für die zurückgegangene Nachfrage. Bereits Ende des vergangenen Jahres habe sich eine sinkende Einstellungsbereitschaft der Unternehmen abgezeichnet. "Dieser Konjunkturdämpfer kommt nun mit einem Zeitverzug auf den Büromärkten an und hat sich durch die aktuelle Rezession noch verstärkt", sagt Helge Scheunemann. Leiter des Researchs bei JLL Deutschland.

Büro-Investments bleiben dennoch begehrt, stellt BNP Paribas Real Estate fest. Rund 15 Milliarden Euro seien im bisherigen Jahresverlauf in deutsche Büroimmobilien investiert worden. Das liegt zwar – vergleichbar mit dem Rückgang des Flächenumsatzes – ein Drittel unter dem Investitionsaufkommen des Vergleichszeitraums 2019. Zieht man jedoch längere Zeiträume in Betracht, dann ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Investments in deutsche Büroimmobilien liegen in den drei Corona-Quartalen immer noch 16 Prozent über dem Zehnjahresdurchschnitt, hat BNP ermittelt. "Besonders Core-Immobilien mit langen Mietvertragslaufzeiten bonitätsstarker Mieter stehen weiterhin hoch im Kurs bei Investoren", sagt Sven Stricker, Investment-Geschäftsführer bei BNP Paribas Real Estate.

Nur geringer Einfluss von Home-Office
Die Grundstimmung im Markt deutscher Büroimmobilien ist trotz der anhaltenden Krise positiv. Auch aktuelle Diskussionen über rückläufigen Flächenbedarf aufgrund steigender Home-Office-Anteile würden daran kaum etwas ändern, sagt Stricker. Dass sich Arbeitswelten, Konzepte zur Organisation von Mitarbeitern und die Rolle von Büroimmobilien ändern, darüber besteht gleichwohl Konsens bei den Analysten des Immobilienmarkts.

Analyst Scheunemann regt allerdings an, die Veränderungen differenzierter zu betrachten und das Home-Office nicht als die alleinige Alternative zum Büro zu begreifen. Die Betonung müsse auf Flexibilisierung liegen, worunter aber nicht "Null-Tage-pro-Woche-Anwesenheit“ im Büro zu verstehen sei. "Das Arbeiten von zu Hause aus mag ein Aspekt der Flexibilität sein", sagt Scheunemann, "hierzu gehören aber auch andere Arbeitsorte wie zum Beispiel Co-Working, umgebaute Hotellobbys oder das Café um die Ecke". Teil eines solchen "Multi-Location-Szenarios" könnten auch von Unternehmen angemietete Flächen in den Randbereichen der Städte sein. (tw)