P&R-Anleger sind einigen Kummer gewohnt. Auch beim Öffnen des Briefkastens ist der Puls manches Geldgebers in den vergangenen Monaten sicher in die Höhe geschnellt. Für erhöhten Blutdruck und Stirnrunzeln sorgt nun ein Angebotsschreiben, das ein Investor den P&R-Investoren derzeit über den Berliner Anlegerschutzanwalt Wolfgang Schirp unterbreiten lässt. 

Dem "Handelsblatt" zufolge bietet der Hedgefonds York Capital Management (YCM) den Adressaten für die Abtretung ihrer Ansprüche an ihn einen Kaufpreis in Höhe von 14 Prozent der noch festzustellenden Forderungen aus dem laufenden Insolvenzverfahren. Außerdem sichert YCM  den Anlegern zu, sie von etwaigen Rückforderungsansprüchen freizustellen. Der in New York ansässige Hedgefonds setzt folglich darauf, dass die im Laufe des Insolvenzverfahrens erzielbare Quote mehr als 14 Prozent beträgt. "Der Käufer der Forderungen hat etwas", teilt Rechtsanwalt Schirp mit, "was viele Privatanleger nicht haben: Geld und Zeit."

Wie man mit dem YCM-Angebot umgeht, sei letztlich eine individuelle Entscheidung, die jeder Anleger für sich selbst treffen müsse, sagt Schirp. Einerseits kann er aus dem Insolvenzverfahren sofort aussteigen, Geld erhalten und Haftungsrisiken loswerden, andererseits gibt er damit auch die Chance auf, von möglicherweise doch noch höher liegenden Erlösen zu profitieren.

Stochern im Nebel
Zum Verständnis: Michael Jaffé, Insolvenzverwalter der P&R-Gesellschaften, hatte erst vor Kurzem darüber informiert, er sei zuversichtlich, noch etwa eine Milliarde Euro mit dem bestehenden Containerportfolio zu erwirtschaften. Der überwiegende Teil der Anleger hatte zuvor einer Vergleichsvereinbarung zugestimmt, die einerseits die Feststellung der tatsächlichen Forderungshöhe ermöglicht und andererseits Jaffé und seinen Kollegen den Rücken freihält, ihr Konzept "Bewirtschaftung statt Notverkauf" umzusetzen.

Die Forderungshöhe könnte sich einer Einschätzung von Jaffé zufolge auf etwa drei Milliarden Euro belaufen, ist aber noch nicht bestätigt. Auch die in Aussicht gestellte Milliarde aus der Containerverwertung muss er erst noch am Markt hereinholen. Entsprechend sind Hochrechnungen, die auf rund 30 Prozent Insolvenzquote kommen, bislang pure Spekulation.

"Abtretungsverbot" könnte YCM-Ansinnen zunichte machen
Einen grundsätzlichen Einwand gegen Offerten wie jene von YCM hat Jaffé, wie das "Handelsblatt" schreibt: In den Kaufverträgen der Anleger wäre nämlich explizit ein Abtretungsverbot verfügt und in einem kürzlich entschiedenen Verfahren vor dem Amtsgericht München auch bestätigt worden: Die Forderung sei, so zitiert das Handelsblatt aus der Urteilsbegründung, ein "unveräußerliches Recht", "unabtretbar" und dem "Rechtsverkehr entzogen".

Rechtsanwalt Schirp hingegen hält das Abtretungsverbot für AGB-rechtlich unwirksam. "Die Anleger haben – mindestens in der Insolvenz – ein legitimes Interesse, sich von der Anlage lösen zu können. Dem steht keinerlei legitimes Interesse des Emittenten gegenüber, die Abtretung zu verhindern", ist Schirp überzeugt. Außerdem liege es dem Erwerber fern, in das Insolvenzverfahren störend einzugreifen. Die Verträge zwischen YCM und den Anlegern seien, so sie denn zustandekommen, außerdem so strukturiert, ergänzt Schirp, "dass das Ganze nicht das Problem des Kunden ist. Dieser erhält das Geld und die Freistellung in jedem Fall." (tw)