Anlegeranwälte haben den Wirtschaftsprüfer der insolventen P&R-Gruppe verklagt. Die Juristen fordern Schadenersatz vom Regensburger Werner Wagner-Gruber, der die Bilanzen des Containervertriebes seit 2006 testiert hatte. Das berichtet das "Handelsblatt". Durch die Pleite von P&R haben rund 54.000 Anleger ein addiertes Vermögen in Höhe von geschätzt 3,5 Milliarden Euro verloren. 

Die Münchner Kanzlei Schirp & Partner, die diverse P&R-Geschädigte vertritt, begründet ihren Vorstoß laut der Wirtschaftszeitung damit, dass der Wirtschaftsprüfer das dubiose Geschäftsmodell von P&R, hinter dem die Staatsanwälte ein Schneeballsystem vermuten, früher  hättte erkennen und durch die Verweigerung des Testats publik machen müssen. Denn viele Anleger hätten die Testate als Beweis für die Seriosität von P&R gesehen.

Prüfer weist alles zurück
Wagner-Gruber wiederum weist die Vorwürfe zurück und hebt hervor, seine Testate der P&R-Firmen seien sehr wohl mit diversen Einschränkungen versehen gewesen. "Jeder Anleger konnte in den Einschränkungen erkennen, dass erhebliche Mängel in den Jahresabschlüssen vorhanden waren", zitiert ihn das Handelsblatt. Im Detail wollte er sich nicht zu den Klagen äußern.

Die Gretchenfrage bei dem Rechtsstreit ist wohl. wie gut der Prüfer über die Geschäfte und die Finanzen von P&R Bescheid wusste. Insbesondere Berichte von Schweizer Prüfern über die Bilanzen der eidgenössischen Tochter der P&R Equipment & Finance Corp. (E&F) im Schweizer Kanton Zug, die für den Containerkauf, die Verwaltung und die Vercharterung zuständig war, hätten Wagner-Gruber nach Meinung der Anwälte stutzig machen müssen.

Scbweizer Prüfer stießen auf Ungereimtheiten
So hätten die Schweizer Kollegen etwa 2012 festgestellt, dass der operative Arm von P&R "überschuldet" sei. Als Gründe listete der eidgenössische Revisor laut der Zeitung auf, dass es ein Missverhältnis zwischen dem Wert der Containerflotte (1,5 Milliarden US-Dollar) und den Verbindlichkeiten gegenüber Investoren (3,2 Milliarden Euro) gegeben habe. Allerdings müsse man einschränken, dass die Testate aus der Schweiz unterschiedlich ausgefallen seien. Im Revisionsbericht für 2015 findet sich kein Hinweis mehr auf Überschuldung, schreibt das Handelsblatt.

P&R-Insolvenzverwalter Michale Jaffé überlege noch, ob auch er gegen den Wirtschaftsprüfer vorgehen will. Jaffé habe im vorläufigen Insolvenzbericht zwar mögliche Haftungsansprüche gegen den Abschlussprüfer vermerkt – allerdings nur zum "Erinnerungswert" von einem Euro. 

Klar sei aber auch, dass der Wirtschaftsprüfer selbst niemals den geforderten Schadensersatz wird aufbringen können. Die Attacke der Anwälte gelte deshalb in erster Linie seiner Haftpflichtversicherung, um daraus zumindest ihre Mandanten zu entschädigen. Der Prüfer habe fahrlässig gehandelt, sagen die Anlegeranwälte. (jb)