Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat am Mittwoch (7.12.) Geschäftsräume der in Oldenburg ansässigen Unternehmensgruppe Deutsche Lichtmiete und Privaträume von vier Verantwortlichen durchsucht. Sie werden beschuldigt, auch dann noch Anlegergeld in dreistelliger Millionenhöhe eingeworben zu haben, als ihnen bereits klar war, "dass das von ihnen betriebene lnvestorenmodell nicht tragfähig und ungeeignet war, um die Bezahlung der fälligen und künftig fälligen Forderungen der Anleger aus den Einnahmen der vermieteten technischen Einrichtungen zu generieren", teilte die Staatsanwaltschaft nach der Razzia mit.

Mit LED-Beleuchtungssystemen Kosten und CO2 einsparen
Bei den "technischen Einrichtungen" handelt es sich um LED-Beleuchtungssysteme, die das Unternehmen zur Miete anbietet. So würden Gewerbetreibende und öffentliche Einrichtungen hohe Investitionskosten und durch die höhere Energieeffizienz der LED-Technik auch bis zu 70 Prozent CO2-Emissionen einsparen können, wirbt die Deutsche Lichtmiete.

Ab 2016 bot die Deutsche Lichtmiete Direktinvestments an. Anleger erwarben LED-Beleuchtungskörper, die die Deutsche Lichtmiete zu fixen Konditionen mietete, verbunden mit der Zusage, sie nach Laufzeitende zurückzukaufen. Seit 2018 begab das Unternehmen vier Anleihen, die letzte noch Anfang dieses Jahres. Allein mit den Anleihen sammelte die Deutsche Lichtmiete 140 Millionen Euro ein. Die Kurse der börsennotierten Papiere brachen regelrecht ein: Am Freitagmorgen (10.12.) notierten sie nur noch bei 6,5 bis 8,5 Prozent ihres Nominalwertes.

Mieteinnahmen weit unter Zahlungsverpflichtungen
In einer Unternehmensmitteilung vom Donnerstagabend (9.12.) bestätigt Alexander Hahn, Vorstand der Deutschen Lichtmiete, die Hausdurchsuchung. "Die Deutsche Lichtmiete kooperiert vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden", lässt er sich zitieren. "Wir werden im Interesse unserer Mitarbeiter, Investoren und der weiteren Beteiligten aktiv dazu beitragen, die Vorwürfe schnellstmöglich aufzuklären."

Marktbeobachter Stefan Loipfinger, der das Portal "Investmentcheck.de" betreibt, hatte bereits im vergangenen Jahr bei einer Auswertung von Unterlagen zu einer 2018 vorgenommenen Kapitalerhöhung der Deutschen Lichtmiete eine systematische Mietunterdeckung festgestellt. Weil die Mieteinnahmen von Dritten in den Jahren 2016 und 2017 weniger als zehn Prozent der Mietzahlungsverpflichtungen gegenüber den Anlegern ausgemacht hätten, seien umfangreiche Querfinanzierungen zwischen Konzernunternehmen notwendig geworden, so Loipfinger. (tw)