Dass Infrastruktur ein großes Investmentthema ist, ist inzwischen auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Von den Zumutungen im öffentlichen Personenfernverkehr und den Herausforderungen der Energiewende kann wahrscheinlich jeder ein eigenes Lied singen. Folglich ist das entsprechende Investmentangebot inzwischen groß und unübersichtlich geworden.

Das Angebotsspektrum reicht von breit diversifizierenden bis zu hochspezialisierten Investmentstrategien. Beispielhaft stehen für die beiden Pole zum einen der ELTIF "Infravest" von Commerz Real und zum anderen der "Digital Infrastructure" von Hanse Merkur, ebenfalls als ELTIF strukturiert. Während der "Infravest" das gesamte infrastrukturelle Spektrum abdecken will – von Transport, Kommunikation und sozialer Infrastruktur über Versorgung bis hin zu Energie –, fokussiert der "Digital Infrastructure" allein auf Rechenzentren und da auch nur auf das "Hyperscaler"-Segment, also auf Rechenzentren für besonders große Cloud-Anbieter wie Meta, Amazon oder Google.

Die beiden Pole des Spektrums
André Broders, Ressortleiter Alternatives bei Hanse Merkur, erklärt die Spezialisierung folgendermaßen: "Eine Diversifikation über verschiedene Rechenzentrumstypen mag auf den ersten Blick risikoreduzierend erscheinen, führt jedoch in der Praxis zu höherer Komplexität und heterogenen Risikoprofilen. Für Investoren sind standardisierte, großvolumige Assets mit starken Mietern deutlich attraktiver und ermöglichen stabilere, besser prognostizierbare Cashflows."

Sandro Berweiler, Fondsmanager des "Infravest"-ELTIF, verteidigt hingegen seinen viel umfassenderen Ansatz: "Angesichts des starken Wachstums und der thematischen Breite des Infrastruktursektors haben wir uns entschieden, neben unserem offenen Immobilienfonds "Hausinvest" und dem auf erneuerbare Energien fokussierten "Klimavest" unser Angebot um eine komplementäre eigene Investmentklasse zu erweitern."

Weitere Unterschiede bestehen in konzeptionellen Details
Auch in ihren jeweiligen Konzeptionen weisen die beiden ELTIFs nennenswerte Unterschiede auf. Beide gelten zwar als "semi-liquide", verfolgen aber unterschiedliche Strategien, die dafür notwendige Liquidität bereit zu haben, wenn Anleger aussteigen wollen. Beim ELTIF von Hanse Merkur kommt ein Matching-Mechanismus zum Tragen, der Rückgabeverlangen auf einer Plattform mit Anträgen auf Neuzeichnung abgleicht. Das hat gegenüber der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen den Vorteil, dass der Anteileumlauf gleich bleibt. Sollten Rückgabewünsche die Neuzeichnungswünsche übersteigen, verpflichtet sich die Hanse Merkur Krankenkasse, die Anteile zu übernehmen.

Der "Infravest" hingegen plant, durch geschickte Portfoliogestaltung jederzeit hinreichend liquide zu sein, um Rückgabeverlangen bedienen zu können: "Beim Aufbau des Portfolios achten wir auf einen Mix aus Assets mit unterschiedlich langen Exit-Perspektiven, sodass wir Anteilsrücknahmen bedienen können, ohne auf die Liquiditätsreserve zurückgreifen zu müssen", sagt Berweiler. (tw)


Porträts dieser beiden Infrastruktur-ELTIFs, eine Gegenüberstellung ihrer Investmentstrategien und eine Liste mit 87 weiteren Angeboten finden Sie im Sachwertradar der aktuellen Ausgabe 1/2026 von FONDS professionell. Wer bereits angemeldet ist, kann den Text auch hier im E-Magazin lesen.