So weit sind die Fondsplattformen mit der Einführung von ELTIFs
Die neuen Regeln für den "ELTIF 2.0" geben Anbietern viel Flexibilität bei der Gestaltung von Produkten. Das wiederum stellt die etablierten Fondsplattformen im B2B-Vertrieb aber vor einige Probleme. Ein Überblick, wie weit die Finanzdienstleister mit ihren Lösungen sind.
In diesem Jahr feierte der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) ein kleines Jubiläum: Vor zehn Jahren, im April 2015, ließ die EU-Kommission per Verordnung die neue Fondskategorie zu. Weil die ursprüngliche Konzeption weder bei Anbietern noch bei Anlegern auf großes Interesse stieß, reformierte Brüssel 2023 die Regeln – und richtete den "ELTIF 2.0" stärker auf Kunden- und Vertriebsbedürfnisse aus. Ende vergangenen Jahres wurden die wichtigen technischen Regulierungsstandards verabschiedet.
Seither steigt die Nachfrage, der wirkliche Durchbruch steht aber noch aus, wie eine Abfrage von FONDS professionell zeigte. Dafür gibt es mehrere Gründe, unter anderem, dass der Zugang zu den Produkten eingeschränkt ist – zumindest aktuell noch.
Geringe Verbreitung
So haben bislang nur drei der insgesamt sieben B2B-Depotbanken für Vermittler, deren Konditionen die Redaktion regelmäßig abfragt, ELTIFs auf der Plattform: Moventum (15), FNZ Bank (12) und DAB BNP Paribas (20). Die Comdirect plant den Start im kommenden Jahr. Die FIL Fondsbank (FFB), die Bank Zweiplus und Morgenfund bieten sie – noch – nicht an. Für die Zurückhaltung gibt es einige durchaus plausible Gründe, wie die Redaktion erfahren hat.
"Es kommt immer auf die Kundennachfrage an", betont etwa FFB-Chef Jan Schepanek. Sein Haus habe 800 Vermittler, die eng mit der Fondsplattform zusammenarbeiten, im vergangenen Jahr zur Relevanz von ELTIFs befragt. "Das Ergebnis: Während grundsätzlich Interesse an ELTIFs besteht, haben diese aktuell jedoch nicht oberste Priorität", so Schepanek. Die Bank Zweiplus verweist ebenfalls auf die mangelnde Nachfrage. Damit beißt sich die Katze jedoch selbst in den Schwanz: Ohne Angebot kann die Nachfrage kaum steigen.
Komplexe Abwicklung
Die Zurückhaltung einiger Fondsplattformen hat weitere gute Gründe, denn die Abwicklung der ELTIFs stellt für sie eine große Herausforderung dar. "Die Abläufe bei semi- oder illiquiden Private-Markets-Fonds unterscheiden sich in den meisten Fällen deutlich von denen bei liquiden UCITS-Produkten", erläutert Jamal El Mallouki, Geschäftsführer der Private-Markets-Plattform Portagon.
Die Herausforderung kann man annehmen und IT-Systeme anpassen, allerdings ist es nicht einfach und billig. Michael Patzelt, Vertriebsleiter für die DACH-Region bei Moventum, betont, dass dem Aufwand ein Nutzen in Form von ausreichend Assets gegenüberstehen müsse. Sein Haus wickle Kauforders digital ab, für Verkäufe sei der Prozess (teil)manuell. Daher werde man ab 2026 mit Portagon zusammenarbeiten, um eine volldigitale Abwicklung zu ermöglichen.
Pragmatisches Vorgehen
Die FNZ Bank und die DAB BNP Paribas, die seit 2023 ELTIFs abwickelt, gehen pragmatisch vor. "Die Kaufprozesse sind fast automatisiert, da keine großen Unterschiede zu den Prozessen bei UCITS-Fonds bestehen", sagt Sebastian Seeberger, stellvertretender Leiter Produktmanagement im Investmentbereich der DAB BNP Paribas. Die Prozesse bei Rückgaben seien bislang nur teilautomatisiert: "Hier ist noch Zeit, da die allermeisten ELTIFs eine Mindesthalteperiode vorsehen."
Die FNZ Bank, die seit 2024 ELTIFs führt und diese ins Standard-Onlinedepot einbucht, digitalisiert die Prozesse ebenfalls kontinuierlich – aktuell sind sie noch nicht vollständig automatisiert. Außerdem nimmt sie nur ausgewählte ELTIFs auf: Sie müssen "fully funded" sein, also ohne "Cash Calls" auskommen, und beim Zentralverwahrer Clearstream geführt werden. (jb)
Mehr Details rund um die Abwicklungsprobleme der Fondsplattformen bei ELTIFs finden Sie im Artikel "Teilweise handgestrickt" in der aktuellen Printausgabe 4/2025 von FONDS professionell ab Seite 286 oder nach Anmeldung auch hier im E-Magazin.













